Oktober 2011: Thomas Tuchel

Raus aus der Europa League und rein in den Abstiegskampf: Mainz 05, neben Hannover das Überraschungsteam der vergangenen Saison, hat enttäuschende Wochen hinter sich. Das nagt auch am Trainer – ist aber keine Entschuldigung für das öffentliche Bild, das Thomas Tuchel im vergangenen Monat abgegeben hat.

Nach dem 3:3 gegen Nürnberg am 8. Spieltag bestach Tuchel noch durch offensiven Zweckoptimismus („Ab der 20. Minute gerechnet, haben wir das Spiel mit 3:1 gewonnen“). Seitdem ging es sowohl mit den Ergebnissen (von dem fulminanten 0:0 gegen Hertha einmal abgesehen) als auch mit Tuchels Laune stetig bergab. In der letzten Saison noch auf einer Sympathie- und Erfolgswelle schwimmend, avancierte der Trainer des FSV für die Medien jetzt flugs zum einzig wahren Erben von Matthias „Motzki“ Sammer.

Besonders beim Spiel gegen Bremen war nicht zu übersehen und anschließend nicht zu überhören, dass der Trainer mit der Gesamtsituation unzufrieden ist. Während des Spiels lieferte er sich eine unnötig heftige Diskussion mit der vierten Offiziellen. Und im Interview des Aktuellen Sportstudios präsentierte sich Tuchel genervt, reizbar und mit den Schiedsrichterentscheidungen aus diversen Spielen hadernd.

ausgekontert meint: Sich in Zeiten sportlichen Misserfolgs immer wieder den gleichen unangenehmen, teils provokanten und nicht zwingend intelligenten Fragen stellen zu müssen, macht keinen Spaß. Aber ein Bundesligatrainer muss das abkönnen. Er muss seine Mimik nicht auf ein eingefrorenes Lächeln und seinen Wortschatz nicht auf weichgespülte Phrasen reduzieren, aber ein bisschen mehr Pokerface darf schon sein. Indem er Nerven statt Zuversicht zeigt, verspielt Tuchel die Sympathien der vergangenen Saison und schadet der Moral seiner Mannschaft im Abstiegskampf.

Fairerweise muss man allerdings hinzufügen: Die Marcus-Sorg-Statue, die der SC Freiburg im selben Abstiegskampf mit sich führt (und von der man munkelt, sie löse sich zuweilen aus ihrer Erstarrung und verwandele sich in einen Trainer aus Fleisch und Blut) wirkt auch nicht zuversichtlicher – sie fällt nur nicht so unangenehm auf.

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