September 2011: Waldemar Hartmann

Waldemar Hartmann hat sich den Titel “Tor des Monats September 2011″ redlich verdient (siehe Wahl). Sein Auftritt im “Doppelpass” bei Sport1 war wahrlich ausgezeichnet, wie nicht nur Daniel in seinem Artikel vom 25. September findet:

Waldi versaut den Sonntag

Eigentlich ein perfekter Sonntagmorgen: bis kurz nach zehn geschlafen, draußen ruhiges, sonniges Herbstwetter, zwei warme Brötchen und ne lecker Milch. Dann noch der Griff zur Fernbedienung und zum Fußballstammtisch gezappt. Eigentlich ein perfekter Sonntagmorgen. Eigentlich. Bis Waldemar Hartmann am Stammtisch zu Wort kommen darf.

Die Weizen-Runde braucht – überraschend, aber angenehm – eine Dreiviertelstunde, bis das Thema “Brandstiftung im Hause Breno” erstmals auf den Glastisch kommt. Nach einer kurzen Einführung in die Fakten und der Meldung, Breno sei nun wegen Flucht- und Verdunklungsgefahr in U-Haft genommen worden, wird Uli Hoeneß eingespielt. In seinem Statement wettert er gewohnt impulsiv gegen die Staatsanwaltschaft, durch die U-Haft habe sie einem schon am Boden liegenden jungen Mann quasi noch ein Tritt verpasst. Da schwillt dem bis dato gutgelaunten Sonntagmorgengenießer das erste Mal kurz der Kamm. Hoeneß scheint vergessen zu haben, dass Breno beim FC Bayern sicherlich so viel verdient, dass es auch noch für ein Flugticket zur Familie nach Brasilien reichen würde – one way, versteht sich.

Doch Hoeneß’ Vorstoß schafft es noch nicht, den Daumen zum Aus-Knopf auf der Fernbedienung zu dirigieren. Dafür sorgt jedoch kurz danach ein anderer: Waldemar Hartmann. Weizen-Waldi fühlt sich geradezu verpflichtet, seinem Weißbier-Spezl Uli beizuspringen. In welch unglaublich populistischer Art er dieses jedoch tut – und damit sogar Applaus erntet – ist unfassbar. Hartmann zieht in perfekter Boulevard-Manier den “U-Bahn-Schläger, der nach zwei Stunden wieder nach Hause darf” zum Vergleich heran. Danach kommentiert er noch die Einschätzung eines Psychologen vom Max-Planck-Institut, bei Breno hätten die Probleme schon mit dem großen Alkoholkonsum begonnen, breit-bräsig grinsend mit den Worten “Alkohol löst keine Probleme, aber Cola auch nicht” und wirft, bestätigt durch das johlende Publikum, drei Euro ins Phrasenschwein.

Jetzt pulsiert die Halsschlagader vollends. Ohne einen Blick auf die Fernbedienung werfen zu müssen, zuckt der Daumen an die richtige Stelle. Die Folge sind Schwärze und Stille. Tiefes Durchatmen, aufstehen, Schuhe an. Das Ziel: Raus in die Sonne zum Spaziergang an der frische Luft, um den Sonntag wieder zu einem perfekten zu machen. Vielleicht liegt ja eine Senioren-Residenz am Wegesrand, die noch ein Zimmer frei hat, für Waldemar Hartmann.

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