Februar 2011: Matthias Lehmann

“And the Tor des Monats goes to… Matthias Lehmann!”

Matthias Lehmann, eher bekannt als kampf- und schussstarker Mittelfeldspieler des FC St. Pauli, zeigte am vergangenen Wochenende im Spiel gegen die Borussia aus Gladbach unerwartet schauspielerisches Talent. Lehmanns facettenreiches, darstellerisches Repertoire überraschte dabei einen jeden Zuschauer. Hier nun noch einmal der Spielfilm in fünf Akten zum Genießen:

1. Akt, 21. Minute: Mit der kalten Wut eines Robert de Niro grätscht Lehmann seinen Gegenspieler Igor de Camargo “Wie ein wilder Stier” an der Außenlinie um.

2. Akt, 22. Minute: Der angesäuerte de Camargo entscheidet blitzschnell, sich das theatralische, schmerzerfüllte Aufdembodenherumwälzen für das nächste Foul aufzuheben. Er springt auf und rennt hinter Lehmann her, um ihn zur Rede zu stellen. Hierbei beweist auch de Camargo – sehr zum Missfallen von Lehmann – schauspielerische Sensibilität, der Laufstil seines Sprints der Rache lässt Erinnerungen an den saufenden und prügelnden Kalle wach werden – “Was nicht passt, wird passend gemacht”.

3. Akt, 22. Minute: Matthias Lehmann, durch de Camargos schauspielerischen Fehdehandschuh merklich angestachelt, stellt sich dem heranstürmenden VfL-Stürmer entgegen. Entschlossen zeigt er ihm “Das weiße im Auge” – ein Tribut an Charles Bronson.

4. Akt, 23. Minute: Lehmann setzt aufs Ganze und spielt im Duell der Y-Movie-Darsteller die Stallone-Karte. Aus Igor wird Ivan, Stirn an Stirn stehen sich Rocky Balboa (Lehmann) und Ivan Drago (de Camargo) gegenüber.

5. und letzer Akt, 23. Minute: De Camargo geht eine Millisekunde eher in den Infight als sein Kontrahent. Stirn trifft auf Sirn, nur gedämpft vom schweißtreibenden Ergebnis 20-Minuten langer sportlicher Betätigung. Aus Rocky wird George Foreman am Karriereabend, Lehmann fällt wie ein nasser Sack. Oder ein gefällter Baum. Unbestätigten Berichten zu Folge hatten einige Zuschauer im Stadion angesichts dieses Schauspiels das Lied “Mein Freund der Baum ist tot” auf den Lippen.

Matthias Lehmann beweist mit seinen Dankesworten bei der Tor-des-Monats-Verleihung endgültig, dass er zu den Großen der schauspielerischen Zunft zählt und dankt sowohl seinem Schauspieler-Kollegen im weißen Trikot als auch dem Regisseur im gelben Hemd:

“So ein Geschenk nehme ich dankend an. Ich wäre ja dumm, wenn ich das nicht machen würde.” (Zitat: Bild online)

Das Fazit von ausgekontert: Matthias Lehmann bleibt in Erinnerung, jedoch nicht als Mittelfeldmotor des FC St. Pauli, sondern als unfairer Schauspieler übelster Couleur. Er hat durch diese Aktion nicht nur sich selbst geschadet, sondern auch das Bild seines Trainers beschädigt, der sich nach dem Spiel genötigt fühlte, die Aktion zu verteidigen. Der FC St. Pauli erhebt ständig den Anspruch, anders zu sein, als andere Vereine. Am Wochenende hat der kalkulierte Aussetzer eines Angestellten ausgereicht um zu zeigen, dass St. Pauli nicht anders ist. Schade, bis zum vergangenen Samstag war der Klub sympathisch…

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