August 2011: Dietmar Hopp

Es könnte alles so einfach isses aber nich… scheinbar hat sich Dietmar Hopp den von Grönemeyer gesungenen Refrain der Fanta4-Liedes etwas zu sehr zu Herzen genommen. Keine Frage, die Fangesänge der Borussen-Fans am vergangenen Sonntag waren niveaulos, kindisch und beleidigend. Ebenfalls keine Frage, dass Hopp dies nicht zum ersten Mal passiert ist. Ebenso klar ist aber auch, dass Hopp nicht der einzige ist, der in Bundesligastadien verhöhnt wird, und dass der Gossenton seit Jahrzehnten schlechte Tradition in Bundesligastadien ist. Von einem 71-jährigen, intelligenten Mann hätte man daher etwas mehr Gelassenheit gegenüber dem durchschnittlichen Pöbelfan erwarten dürfen. Es kam anders.

Klar, der Darstellung der Hoffenheimer Vereinsführung, von der Pfeifattacke nichts gewusst zu haben, ist zunächst einmal Glauben zu schenken. Es ist ja schließlich möglich, dass ein Hausmeister im Alleingang und unbemerkt auf die Idee kommt, eine solche Anlage zu installieren, sie von Ordnern bewachen zu lassen und sie dann per Laptop von der Tribüne aus zu steuern – ein halbes Jahr lang. Aber selbst, wenn man dies glaubt, so hat sich Dietmar Hopp mit seiner Reaktion auf die Vorwürfe den Titel Tor des Monats verdient wie selten jemand zuvor.

Seine erste Reaktion am Sonntag lautete:

“Wer mich 90 Minuten lang permanent beleidigt, sollte nicht so empfindlich reagieren.”

Einen Tag später, legte er gar nochmals rhetorisch nach:

“Man sollte ja nicht vergessen, dass das nur eine Reaktion auf eine jahrelange Aggression war. Und der Mann hat halt noch irgendwo ein Gerechtigkeitsgefühl. Dass er über das Ziel hinaus geschossen ist – okay.”

Die Attacke war also nicht ganz angemessen aber eigentlich doch legitim. Die logische Schlussfolgerung:

“Wenn er seinen Arbeitsplatz verliert, wäre ich todunglücklich.”

Auf die Attacken der  des Hausmeisters hätte es dabei nur eine logische Reaktion geben dürfen: eine schlichte Entschuldigung. Damit wäre das Thema recht schnell durch gewesen. Statt dessen verrennt sich Hopp und berichtet von seiner “herzensguten Mutter” und attackiert die BVB-Fans erneut. Nur so nebenbei, lieber Herr Hopp: Am Samstag sind die Gästeanhänger mit denselben Schmährufen durch den Hoffenheimer Anhang attackiert worden. Das spielt in der medialen Diskussion anscheinend aber so gar kein Thema. Insofern hat es 11freunde.de sehr gut auf den Punkt gebracht: Dietmar Hopp wirkt nicht erst seit diesen Tagen wie ein “dauerbeleidigter Turnvater”. Bereits vor einem Jahr machte er dies bezüglich Schlagzeilen, als er vom DFB forderte, Schmähgesänge gegen seine Person sollten genauso bestraft werden wie rassistische Beleidigungen.

Für Hopps persönliches Image, aber auch für das der TSG Hoffenheim, ist die Affäre mehr als peinlich. Zum zweiten Mal innerhalb eines guten halben Jahres muss der DFB gegen den Verein ermitteln. Beim ersten Mal ging es um den Gustavo-Transfer, dessen Entscheidungsprozess recht offensichtlich gegen die 50+1-Regel verstieß. Beide Affären haben eines gemein: Der Eindruck entsteht, Hopp sehe sich selbst als etwas Besonderes an. Als jemand, für den die gemeinen Regeln eines Verbandes höchstens oberflächlich zu gelten haben. Mit den Fußballfans in der Kurve hat er dagegen emotional ungefähr genauso viel gemein wie Alice Schwarzer mit Arnold Schwarzenegger. Hopp versteht den Fußball wirtschaftlich, emotional ist er dagegen meilenweit von ihm entfernt.

Dies führt zu folgenschweren Fehleinschätzungen. Denn selbst wenn Hopp nicht an der Schallattacke beteiligt war: Durch sein Nachhaken hat er dermaßen viel Öl ins Fanfeuer gegossen, dass die Reaktionen aus den Kurven der Republik an den kommenden Spieltagen vorhersehbar sind.

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