Wölfe am (Tabellen-)Ende: Kriegt Magath noch mal die Kurve?

Seit dem Wochenende leuchtet in Wolfsburg die rote Laterne. Der VfL und sein Trainer Felix Magath belegen nach acht Spieltagen den letzten Bundesliga-Tabellenplatz. Schon länger tritt das Team nicht wirklich überzeugend auf. ausgekontert diskutiert: Kriegt Magath noch mal die Kurve?

Fabian sagt Pro:

Angst schießt keine Tore: Felix Magath muss sich ändern

Von Otto Rehhagel stammt der Satz: „Wut und Hass sind schlechte Ratgeber“. Gleiches gilt für Angst. Verunsicherte Fußballspieler machen Fehler, scheuen das Risiko, welches zum Erfolg nötig zu gehen ist, spielen auf Sicherheit bedacht und sind vor der Angst des nächstes Fehlers getrieben.

Genau das passt auf die derzeitige Situation des VfL Wolfsburg zu. Scheinbar aus Angst oder zu hohem Respekt vor den Trainingsmethoden von Trainer Felix Magath rufen gestandene Profis ihre Leistungen nicht wie gewohnt ab. Sicherlich: Nur wer sich quält, wird besser und nur wer sich zu steigern in der Lage ist, kann eine Siegesserie starten. Für den aktuellen Tabellenletzten aus der Autostadt gilt das nur bedingt. Harte Trainingseinheiten und Waldläufe ohne ausreichende Trinkpausen haben bisher nicht zur Erreichung der gesteckten Ziele geführt. Der Grundsatz „viel hilft viel“ gilt schließlich nicht für Konditionseinheiten während der Saison.

Die nächsten Strafen fürchtend agiert das Team in den letzten Spielen zaghaft, ängstlich, ideen- und schlicht harmlos. Angst schießt eben keine Tore. Ich muss ganz ehrlich zugeben: Ich hatte den VfL als eines der Überraschungsteams der aktuellen Bundesligasaison auf dem Zettel. Die Überraschung ist den Wölfen bisher geglückt, jedoch ganz anders als ich es erwartet habe: Ein Sieg und zwei Tore aus acht Spielen haben den Wolfsburgern den letzten Tabellenlatz beschert.

Wenn nicht bald neues Selbstbewusstsein entsteht, wird die Mannschaft sich kaum mehr an die avisierten internationalen Plätze heranarbeiten können. Der einstige Meistertrainer Magath wird aufgrund seines Standings in der Stadt und bei den VW-Verantwortlichen, seiner wohl nicht günstigen Abfindungskonditionen und seiner Doppelrolle als Trainer und Sportdirektor wohl eine Gnadenfrist bekommen. Bis dahin muss Magath den Mut aufbringen, sich selbst und seine Methoden stärker zu hinterfragen. Er soll sich nicht neu erfinden, sondern den Erfolg der Mannschaft über alte Trainingskonzepte stellen. Mit Spaß am Fußball kommt der VfL wieder auf die Beine. Das Potential ist auf jeden Fall vorhanden.

Frauke sagt Contra:

Der Lack ist ab

Im Mai 2009 habe ich ein Heimspiel von Hannover 96 besucht. Es war zwei Spiele vor Saisonende. Der Gegner: der VfL Wolfsburg mit Trainer Felix Magath, unaufhaltsam auf Meisterkurs. Hannover hatte keine Chance, die Heimfans fügten sich früh in ihr Schicksal. Das Spiel endete 0:5. Grafite schoss zwei Tore, Edin Dzeko drei. Eine Woche später hielten Magath und seine Stars die Schale in der Hand.

Sprung in die Gegenwart. Nach der Niederlage gegen den SC Freiburg ist der VfL seit dem vergangenen Wochenende neuer Tabellenletzter. Einige Tage vor dem Spiel, so war auf der Homepage des Vereins zu lesen, schaute Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Francisco Javier Garcia Sanz einmal beim Training des früheren Deutschen Meisters vorbei – zweifellos nur, um „Hallo“ zu sagen und sich am Ballspiel zu erfreuen. Laut Pressetext freuten sich Mannschaft und Trainer über diesen Besuch. Und sicher auch über die spätere Aussage des Aufsichtsratsvorsitzenden, wonach er für das Spiel gegen Freiburg selbstverständlich mit einem Sieg rechne. Er sei zwar derzeit mit der Gesamtsituation nicht so ganz zufrieden, aber man sei sicher auf dem richtigen Weg.

Seit dem Meistertitel 2009 läuft sportlich nicht mehr besonders viel zusammen beim VfL. Nach Magaths Wechsel zu Schalke durften sich mehrere glücklose Nachfolger versuchen, bevor der Meistertrainer – auf Schalke gescheitert – 2011 zurückkehrte und mit dem VfL noch gerade so den Abstieg verhindern konnte. Seitdem jedoch laufen Magath und sein Klub den eigenen hohen Ansprüchen hinterher. Die Fans sind genervt, und auch für die VW-Außenwerbung taugt der VfL zurzeit eher so bedingt. Sicher, das Team ist nicht mehr dasselbe wie 2009 – dazu hat auch die bekannte Magath’sche Einkaufspolitik beigetragen. Aber seit dem misslungenen Ausflug nach Gelsenkirchen scheint dreimalige Meistermacher irgendwie den Faden verloren zu haben. Zwei Tore in acht Spielen, dazu ständige Wechsel im Team – nach einem überzeugenden Konzept sieht das nicht aus. Und das sieht natürlich auch der Aufsichtsrat.

Ausblick: Für VfL folgen zwei Auswärtsspiele in Düsseldorf und Nürnberg. Gegner, die zuletzt auch nicht wirklich überzeugend auftraten. Also lösbare Aufgaben für Magaths Millionenkader – und umso weniger eine Entschuldigung, falls es nicht klappen sollte. Das aber lassen die letzten Spiele des VfL befürchten. Egal, was es an Abfindung kostet und wie nett es 2009 war: Holt der VfL in diesen nächsten zwei Spielen auch keine Punkte, ist für Felix Magath in Wolfsburg Schluss.

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