Wird der HSV wieder ein Top-Klub?

Torsten sagt Pro:

Arnesen und Oenning werden’s richten

Der Hamburger SV ist ein immer noch schlafender Riese. Mit dem grandiosen Stadion, dem wirtschaftlichen Umfeld und der großen Fan-Schar ist dem Klub fast alles zuzutrauen – wenn denn die richtigen Leute an den richtigen Hebeln sitzen. Genau darin lag in der jüngeren Vergangenheit jedoch das Problem der Hamburger. Offensichtlich haben sie das nun erkannt.

Mit Bernd Hoffmann und Katja Kraus gingen zwei Vorstandsmitglieder. Mit Bastian Reinhardt muss der Interims-Sportdirektor weichen, der als früherer Pressestellen-Praktikant nie eine echte Respektsperson im Verein war. Dessen Position nimmt nun der vom FC Chelsea kommende Frank Arnesen ein. Der anerkannte Fachmann ist das Resultat der ewig langen Sportdirektor-Suche, die mit Roman Grill, Matthias Sammer und Urs Siegenthaler schon mehrfach abgeschlossen schien. Arnesen wird der ersehnte Ruhepol sein. Er hat eine Menge Erfahrung als Manager der PSV Eindhoven, als Sportdirektor bei Tottenham Hotspur sowie als Nachwuchskoordinator, Chefanalytiker und Sportdirektor beim FC Chelsea. Viel wird auf das Zusammenspiel zwischen Arnesen und Trainer Michael Oenning ankommen. Beide trafen sich in den vergangenen Wochen mehrfach. Offensichtlich stimmt die Chemie, denn mit Arnesens Einverständnis wurde Oenning zum neuen Chef-Coach befördert. Wenn der Westfale eine faire Chance erhält und nicht gleich in der ersten kritischen Phase entlassen wird, kann er eine Mannschaft formen. Mit dem Ausmisten des Kaders hat er schon begonnen, wobei mit den zugegebenermaßen betagten Zé Roberto (36) und Frank Rost (37) zwei starke Akteure gehen. Jaroslav Drobny wird Rost jedoch zumindest leistungsmäßig ersetzen können. Der Tscheche hat bei Hertha BSC bewiesen, dass er mehr ist als ein durchschnittlicher Bundesliga-Torwart. Ruud van Nistelrooy, Collin Benjamin, Piotr Trochowski, Tunay Torun sowie womöglich auch Guy Demel und Jonathan Pitroipa sind sportlich kein Verlust. Auch Joris Mathijsen und der am Faxgerät untalentierte Eric-Maxime Choupo-Moting sind weitere Wechselkandidaten. Um Drobny, Dennis Aogo, Heiko Westermann, Mladen Petric und Talente wie Heung Min Son kann der HSV eine starke Mannschaft aufbauen. Mit Spannung erwartet werden Arnesens erste Neuzugänge. Wenn Arnesen und Oenning am gleichen Strang ziehen, wird der HSV schon bald wieder dort stehen, wo er hingehört: in der Spitzengruppe der Bundesliga.

Frauke sagt Contra:

Bis zur Meisterfeier dauert’s noch

Der HSV wieder ein Topklub? Niemand in diesem Blog wünscht sich das so sehr wie ich. Aber haben wir darauf nicht schon diese Saison gehofft? Und das Jahr davor, und das Jahr davor? Trainer wurden ausprobiert, Spieler für teuer Geld eingekauft. Ruud van Nistelrooy kam und rechtfertigte sein Gehalt mit gestiegenem Umsatz in den Fanshops, aber (vor allem in der letzten Saison) weniger mit Zählbarem auf dem Platz. Und apropos gekauft: Bereits jetzt melden viele Klubs interessante Transfers, und bei einigen Spielern hat man sich als HSV-Fan gedacht: Och ja, der wäre auch was für uns. Aber kaum hatte man das zuende gedacht, hatte sich der Spieler doch schon für einen anderen (attraktiveren) Klub entschieden. Noch bis vor Kurzem schrieben verschiedene Medien über den scheinbar unmittelbar bevorstehenden Transfer von Ilkay Gündogan („Trochowski-Ersatz“, „wichtige Rolle beim Neuaufbau“), der jetzt aber doch lieber beim Meister in Dortmund unterschrieben hat. Irgendwie nachvollziehbar. Wirkliche Stars wird der Europa-League-Nichtteilnehmer HSV zur neuen Saison sportlich kaum locken und hoffentlich auch nicht mit Fantasiegehältern ködern. Der Neuaufbau mit jungen Spielern wird unumgänglich sein. Und diese Woche ist nun endlich auch der neue Sportdirektor Frank Arnesen eingeschwebt, der das bewirken soll und dem schon fast so viele Vorschusslorbeeren geschenkt werden wie weiland Barack Obama mit seinem Friedensnobelpreis. Arnesen mag Erfolge vorweisen können, aber beim HSV muss er sich erst einmal beweisen. Und was Trainer Michael Oenning angeht, spricht die Statistik (ein Sieg in acht Spielen) bei aller Sympathie leider gegen ihn. Das Gefühl vieler nach dieser Saison ohnehin restlos bedienter HSV-Fans sagt: Das Timing (Trainerwechsel, Vorstandswechsel, Sportdirektorwechsel, auslaufende Spielerverträge) passt an allen Ecken und Enden nicht zusammen, so positiv uns der HSV das auch verkaufen möchte. Ja, vielleicht haben wir wirklich bald so eine gewachsene, erfolgreiche junge Mannschaft wie Borussia Dortmund. Vielleicht aber auch nicht. Eine ganze Weile wird der HSV sich wohl noch durchs Tabellenmittelfeld ackern müssen. Und wer weiß, welche Kurzschlussentscheidungen dann doch wieder getroffen werden, wenn sich der Erfolg nicht schnell genug einstellt? Der HSV wird wieder ganz oben mitspielen. Irgendwann. Vielleicht nicht 2011/2012. Aber spätestens 2016 werden wir Meister – mit Trainer Felix Magath und als Geschenk für „Uns Uwe“ zum Achtzigsten. Oder gewinnen zumindest endlich mal gegen St. Pauli.

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