Kehrt Ballack in die DFB-Elf zurück?

Daniel sagt Pro:

Ballack: Rücktritt nach der EM 2012

„Ballacks Zeit im DFB-Dress ist vorbei, der ist einfach zu alt“ – so oder so ähnlich klingt die Kritik, die vielstimmig laut wird, wenn über Michael Ballacks Zukunft in der Nationalmannschaft diskutiert wird. Doch so einfach ist der „Capitano“ nicht zu verbannen. Zugegeben, Ballack ist mit 34 Jahren nicht mehr der Jüngste. Mangelnde Fitness konnte ihm in der Vergangenheit bisher allerdings nicht vorgeworfen werden. Einzig ein wenig verletzungsanfällig ist er in den vergangenen Jahren geworden. Klar ist: Eine Rückkehr in die Nationalmannschaft ist nur drin, wenn er wieder richtig gesund und fit wird. Wenn das jedoch klappt, ist er mit seinen fußballerischen Qualitäten und seiner Erfahrung eine Bereicherung für die DFB-Elf. Junge Spieler wie Özil und Kroos, aber auch ältere wie Rolfes und Schweinsteiger können nur davon profitieren, einen Weltstar wie Ballack in der Mannschaft zu haben, der jahrelang auf höchstem Niveau gespielt und die Erfahrung vieler großer Spiele hat. Seine Ruhe, Gelassenheit und Fähigkeit, mit stressigen Situationen auf und neben dem Platz umgehen zu können, kann für die jungen Mannschaftskollegen nur hilfreich sein. Durch seinen Offensivdrang und das perfekte Kopfballspiel könnte er Spiele entscheiden, auch wenn er nur von der Bank käme. Ob Ballack jedoch bereit ist, für einen solchen Abschied auf Raten, ist fraglich. In meinen Augen wäre es aber ein gelungener Abschied aus der Nationalmannschaft, wenn er die junge Mannschaft mit seiner Erfahrung noch durch die Qualifikation und ins EM-Turnier 2012 führt. Nur fit muss er sein…

Dennis sagt Contra:

Ballacks Zeit ist um

Ballacks Verdienste um die deutsche Nationalmannschaft sind unbestritten. In der sportlich dunkelsten Zeit der DFB-Geschichte, von 2000 bis 2004, war er der einzige Weltstar den der deutsche Fußball zu bieten hatte. Sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft zeigte er Hochleistung – entgegen so manchem Klischee gerade dann wenn es wichtig wurde. Ohne ihn hätte die Nationalmannschaft 2001 sehr wahrscheinlich die Playoffs gegen die Ukraine verloren und wäre zum ersten Mal sportlich an einer WM-Qualifikation gescheitert. Und dennoch steht für mich eines fest: Ballacks Zeit in der Nationalmannschaft ist um.

Es ist nicht so sehr eine Frage des Stils. Auch 2006 hat die DFB-Elf bei der WM schon einen sehr schnellen, offensiven Fußball gezeigt und Ballack war der unumstrittene Capitano. Aus meiner Sicht sind es eher drei andere Faktoren, die um Zusammenspiel eine Rückkehr als sehr unwahrscheinlich erscheinen lassen.

Da ist zum einen die extrem lange Verletzungszeit. Seit April hat Ballack nur zweieinhalb Pflichtspiele bestritten. Das Pech zweier schwerer, direkt aufeinander folgender Verletzungen wiegt sehr schwer. Insbesondere – und dies ist der zweite Grund – bei Ballacks fortgeschrittenem Alter. Er wird in diesem Jahr 35 Jahre alt. Für einen Spieler im zentralen Mittelfeld ist er also ein wahrer Methusalem. Es steht zu befürchten, dass er nochmal mindestens so lange benötigt, wieder in Form zu kommen, wie ihn die Verletzungen außer Gefecht gesetzt haben. Das alles wäre schon eine Herkules Aufgabe ohne den dritten – und meines Erachtens wichtigsten – Faktor: Gerade auf Ballacks Position hat sich in den letzten Jahren und Monaten in Deutschland ein Angebot an Weltklassespielern entwickelt, wie wir es sehr lange Zeit nicht mehr kannten.

An erster Stelle ist natürlich Bastian Schweinsteiger zu nennen, ihn wählte der Kicker vollkommen zurecht zum Mann des Jahres 2010. Als zweikampfstarker 6er mit ausgeprägten Offensivqualitäten und dem Willen für wichtige Tore hat er genau die Qualitäten, die Ballack einst unentbehrlich machten. Nur ist er eben acht Jahre jünger. Hinzu kommt Sami Khediara, der es allen Unkenrufen zum Trotz bei Real Madrid in seiner ersten Saison auf 16 Einsätze brachte und über lange Zeit Stammspieler war. Doch damit nicht genug. In der Hinterhand hat Jogi Löw noch überragende Talente wie die Bender Zwillinge oder Toni Kroos. Zu guter Letzt sollte man auch Simon Rolfes nicht abschreiben – er war vor gut einem Jahr noch der beste 6er der Bundesliga und ist mit 28 im besten Fußballer Alter.

Es stellt sich also der sportliche Sinn einer Reintegration des einstigen Superstars. Niemand bestreitet, dass Ballack einen würdigeren Abschied als die Verletzungsmisere mit anschließender Verbaldemontage durch Lahm und teilweise auch Löw verdient gehabt hätte. Doch kann dies nicht der Grund sein, eine harmonisch spielende und sich prächtig entwickelnde Mannschaft wieder auseinander zu reißen. Daher kann Ballack sich nur durch eine außergewöhnliche Saison 2011/2012 aus diesem Dilemma retten. Die Latte liegt jedoch so hoch, dass es wohl der bislang größten Leistung des 34-jährigen bedarf um sie zu überqueren. Und um einen der großen Fußballphilosophen zu zitieren:

„Das Unmögliche möglich zu machen wird ein Ding der Unmöglichkeit.“ (Andi Brehme)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.