Ist Schaaf noch der richtige für Werder?

Torsten sagt Pro:

Schaaf hat seinen Kredit noch längst nicht aufgebraucht

Ja, es ist nicht einfach zurzeit bei Werder Bremen. Es ist jedoch einfach, dem Trainer den schwarzen Peter zuzuschieben, wenn’s mal nicht läuft. So einfach ist es aber eben nicht bei Werder. Soll Thomas Schaaf wirklich daran schuld sein, dass mit Naldo der wichtigste Defensivmann für die gesamte Saison und mit Claudio Pizarro der gefährlichste Angreifer ständig mit Muskelproblemen ausfällt? Oder daran, dass die Mannschaft durch individuelle Fehler in der Verteidigung Gegentore en masse fängt? So geriet Werder in eine Abwärtsspirale, aus der es kaum ein Entrinnen gibt. Dass die Mannschaft aber noch will und auch für den Trainer spielt, zeigte sich bei den jüngsten Auftritten in Mainz und gegen Hannover. Trotz 0:1-Rückstands rappelte sich die Elf auf und kam jeweils noch zu einem 1:1. Zwar nicht unbedingt spielerisch glanzvoll, aber das braucht es auch nicht im Abstiegskampf. Und der Jubel vor allem nach dem Ausgleich in Mainz verdeutlicht, dass das Team an einem Strang zieht. Oder es zumindest jetzt begriffen hat, nachdem es in der Hinrunde häufig zu Zickereien gekommen war. Bis auf Per Mertesacker, der mit Hannover 96 schon unten rumdümpelte, und Marko Marin, der mit Borussia Mönchengladbach abstieg, hat kein Spieler Erfahrung im Abstiegskampf. Schaaf dagegen hat sie. Als er 1999 kam, übernahm er Werder in der gefährlichen Zone, rettete den Klub und hatte am Ende der Saison den DFB-Pokal im Arm. Das Duo Allofs/Schaaf steht seit Jahren für Beständigkeit in der Bundesliga. Damit bilden die beiden die sympathische Ausnahme in diesem schnelllebigen Geschäft. Der VfB Stuttgart ist das leuchtende Beispiel dafür, wie Trainerwechsel einen Verein noch tiefer in die Misere ziehen können. Seit Jahren spielt Werder am oberen Limit. Mit den finanziellen Möglichkeiten an der Weser ist Spitzenfußball nicht dauerhaft erwartbar. Nur durch geschickte Transfers wie die Ein- und Verkäufe Özils und Diegos konnten sich die Bremer den teuren Kader leisten, den man braucht, um im oberen Tabellendrittel mitzumischen. Die vergangenen acht Jahre sollten als positiver Ausnahmezustand betrachtet werden, nicht als Selbstverständlichkeit. Aber mit dem sportlichen Erfolg wuchsen logischerweise die Erwartungen. Nur deswegen ist Schaaf – und mit ihm auch Allofs – in der Kritik. Der Trainer hat sich einen gewissen Kredit verdient. Nach all den guten Jahren darf sich Schaaf nun auch mal ein schlechtes erlauben. Wenn sich der sportliche Misserfolg allerdings zum Dauerzustand entwickelt, dann darf das Bremer Urgestein wirklich mal zur Disposition gestellt werden. Doch jetzt nicht.

Daniel sagt Contra:

Zeit zu gehen, Thomas Schaaf!

Der Trainer ist immer das schwächste Glied in der Kette – so abgedroschen dieser Spruch auch sein mag, er hat einen wahren Kern. Ich bin bei Leibe kein Freund davon, immer sofort den Trainer zu rasieren, wenn der Erfolg ausbleibt oder die Abstiegsränge erreicht werden. Der Trainer ist ein – sicherlich kein unwichtiges – Rädchen von vielen. Oftmals sollten sich jedoch erst einmal die Spieler an die eigene Nase fassen und ihre Arbeitsauffassung hinterfragen. Im Fall Thomas Schaaf ist die Situation allerdings etwas anders geartet. Schaaf steht kurz vor seinem 12. Geburtstag als Trainer bei Werder Bremen – welch beeindruckende Konstanz im schnelllebigen Fußballgeschäft. Er steht für Ruhe und Gelassenheit, kann aber auch wortkarg und introvertiert sein. Gerade letztere beiden Eigenschaften scheinen in der letzten Zeit allerdings Überhand zu gewinnen. Thomas Schaaf wirkt extrem dünnhäutig, bisweilen sogar ratlos. Seine Methoden sind mittlerweile zu eingespielt, es fehlt an Veränderungen und Neuem. Schaaf scheint die Mannschaft mit seiner Art nicht mehr erreichen zu können. Seine beiden verlängerten Arme auf dem Platz, Per Mertesacker und Torsten Frings, sind nur noch Schatten ihrer selbst, auch wenn Mertesacker sich gerade etwas bekrabbelt. Schaaf trifft gegenüber den Spielern nicht mehr den richtigen Ton: Tim Wiese macht was er will, Sebastian Prödl ist völlig verunsichert, Marko Marin wirkt, als habe er seine fußballerischen Fähigkeiten verloren und bei Marko Arnautovic ist sowieso alles verloren. Werder Bremen ist dafür bekannt, seine Spieler auch sportpsychologisch zu betreuen. Wenn die Spieler sich jedoch zusammentun und gemeinsam einen anderen Sportpsychologen konsultieren, ist das – positiv betrachtet – sehr einsichtig und zeigt eine realistische Sicht auf das bedrohliche Abstigesszenario. Negativ betrachtet bedeutet ein solcher Schritt jedoch auch, dass die Mannschaft kein Vertrauen mehr in die sportliche Führung hat. Eigentlich gefällt es mir, dass Schaaf so kontinuierlich bei Werder arbeitet, doch ich befürchte, schon bei der nächsten Niederlage werden die Forderungen nach einer Ablösung immer lauter werden, so dass Klaus Allofs bald auch keine Ohropax mehr helfen werden. Er wird dem Druck nachgeben müssen, Schaaf entlassen und für frischen Wind auf dem Trainingsplatz sorgen. Der einzig richtige Schritt – aber schade wär’s trotzdem!

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