Ist Mitleid mit Uli Hoeneß angebracht?

Fabian sagt Pro:

Als Werder-Fan Uli Hoeneß in Schutz nehmen? Keine leichte Aufgabe, mag man denken. Schließlich war es doch Werder-Manager Willi Lemke, der sich über Jare eine Dauerfehde mit seinem Rivalen aus München lieferte. Fällt jedoch der öffentliche Tenor so eindeutig gegen eine Person wie aktuell gegen Uli Hoeneß aus, so wird der Beschützerinstinkt wach.

Aber keine Sorge, Steuerhinterziehung möchte ich deswegen nicht bagatellisieren. Ich bin zwar schon dafür, über die Höhe der Steuern und Abgaben politisch zu diskutieren. Von einer „Besteuerung ist Enteignung“-Haltung bin ich jedoch weit entfernt. Ich halte es daher gemäß dem deutschen Recht für richtig, dass Hoeneß hinterzogene Steuern verzinst nachbezahlt. Wenn bei der Selbstanzeige nicht alle Fakten auf den Tisch gebracht wurden, kommt auch eine Haftstrafe in Betracht. Merkwürdig ist, dass das Verfahren jetzt öffentlicht wurde. Hier wurde es ansacheinend bei Steuer- oder Justizbehörden mit dem Datenschutz nicht so genau genommen. Von einer Sonderbehandlung, von der im Internet in vielen User-Kommentaren zu lesen ist, kann ich bei ergangenem Haftbefehl und durchgeführter Hausdurchsuchung bisher nichts erkennen.

Auch als Werder-Fan würde ich mir wünschen, dass der langjährige Bayern-Manager nicht auf diese eine Verfehlung reduziert wird. Vom Aufbau des FC Bayern zu einem der stärksten Teams der Welt, über viele Spenden und Aktionen für gemeinnützige Zwecke oder klamme Fußballclubs bis zur Etablierung eines Wurstbetriebes zu einem international gut aufgestellten Unternehmen – Uli Hoeneß hat viel Gutes bewirkt. Auch im persönlichen Bereich hat sich Uli Hoeneß große Verdienste erworben: Nicht jeder Manager hätte Gerd Müller, Sebastian Deisler, Breno und anderen in schweren Zeiten soviel persönliche wie finanzielle Unterstützung zukommen lassen. Diese Verdienste bleiben für mich das Erste, woran ich beim Namen Uli Hoeneß denke.

Die Selbstgerechtigkeit mancher Kommentatoren, Fans und Journalisten hat mich wirklich erschreckt. An die Stelle einer, gerne auch sehr kritischen und schonungslosen, Analyse ist bei einigen Leuten die Lust am Niederschreiben, Beleidigen und Herabwürdigen getreten. Dieser Hass verschlägt einem schon die Sprache. Auch wenn man Bayern nicht mag und Uli Hoeneß mit diesem Verein verbindet, so muss etwas mehr Respekt im Miteinander schon sein. Fußball und Gesellschaft könnten davon mehr vertragen.

 

Dennis sagt Contra:

An Uli Hoeneß schieden sich schon immer die Geister. Und ich gebe zu, dass ich nie zu seinen Bewunderern gehört habe. Doch was in den vergangenen Wochen ans Licht gekommen ist, hätte auch ich nicht für möglich gehalten. Dabei ist es nicht so sehr die Tatsache an sich, dass Hoeneß wohl Steuern hinterzogen hat, sondern das Maß an Scheinheiligkeit, das dadurch ans Licht gekommen ist. Diese Scheinheiligkeit ist es, die jegliches Mitleid bei mir im Keim erstickt.

„Ich bin seit über 20 Jahren im Geschäft und kann für mich behaupten, dass ich nie mit solchen Praktiken zu tun hatte.“ (Welt-Interview zum Thema Schwarzgeld 2002)

Uli Hoeneß hat sich schon immer dadurch ausgezeichnet, dass er zu so ziemlich jedem Thema etwas zu sagen hatte. Gerade in den vergangenen zwei Jahren hat er sich immer aktiver in die Politik eingemischt, hat bei Jauch und anderen mitdiskutiert und neben Merkel auf Pressekonferenzen gesessen. Nicht selten ging es dabei um das Thema Steuern. Mit einer Verve die ihresgleichen sucht, gerierte sich dabei Hoeneß zeitgleich als Anwalt des kleinen Mannes und als Kämpfer für niedrigere Steuern.

„Mir ist inzwischen egal, ob ich 20, 50 oder 100 Prozent Steuern zahle. Mir geht es um die kleinen Leute.“ (AZ-Interview 2002)

Nebenbei haute Hoeneß auch noch populistisch auf die Griechen drauf:

„Der grundsätzliche Fehler war doch, die Griechen überhaupt aufzunehmen. Die haben uns mit ihren Zahlen an der Nase herumgeführt.“ (Handelsblatt 2011)

Diese Einmischung in die große Politik führt übrigens auch dazu, dass die Steuerhinterziehung Hoeneß eben keine Privatsache war und ist. Wer sich zuvor so vehement politisch engagiert und öffentlich für niedrigere Steuern eintritt, muss damit rechnen, dass ein derart eklatantes Fehlverhalten auch durch die Medien kommentiert wird. Doch Hoeneß Reaktion auf die Berichterstattung zeugt von einem großen Mangel an Einsicht. In das eigene Fehlverhalten. Er drohte den Medien erst einmal mit Verleumdungsklagen. Dabei hatte Hoeneß die gesellschaftliche Tragweite seiner Handlungen durchaus schon einmal treffend beschrieben:

„Die Finanzwelt zeigt keine Bereitschaft, zur Volkswirtschaft beizutragen. Eine Krankenschwester trägt mehr zur Volkswirtschaft bei als ein Spekulant.“ (brandeins 2011)

In einem ganz anderen Licht erscheint heute auch Hoeneß Einschreiten in der Kokain-Affäre von Christoph Daum. Durch ein Interview in der Münchener Abendzeitung machte Hoeneß damals Daums Kokainkonsum öffentlich. Rechtlich ist dies trotz des schließlich positiven Befundes mindestens eine Grauzone. Begründet hatte Hoeneß das Interview mit seinen moralischen Bedenken: Jemand der Kokain nähme könne schließlich nicht Bundestrainer werden. Wenn man Daums Kokainkonsum mit den Verfehlungen von Uli Hoeneß vergleicht, fällt das Urteil relativ einfach aus: Sowohl strafrechtlich, als auch moralisch hat sich Hoeneß eines deutlich schwereren Vergehens schuldig gemacht. Daum hat damals ausschließlich sich selbst geschadet, Hoeneß die Gemeinschaft um mehrere Millionen Euro betrogen).

Mit dem Verhalten, das Hoeneß bis heute an den Tag legt, kann er einfach nicht Präsident des größten deutschen Fußballclubs bleiben, deren Teilhaber unter anderem Weltkonzerne wie Adidas und die Allianz sind. Je früher er dies selber einsieht, desto besser.

Ein Kommentar zu Ist Mitleid mit Uli Hoeneß angebracht?

  1. hansjörg sagt:

    ok , man muss nur gutes tun und das fällt einem eben leichter, wenn man genügend kohle hat (egal wie erworben) und hat dann einen freibrief für allerlei dinge die man halt nicht machen sollte und für die andere oft wegen ein paar euros ihre existenz verlieren können und alles ist gut. und da gibts halt menschen (die ihr ganzes restgeld des monats für eine fanschaft, gerade viel zu oft beim fcb) die ein so gutes herz haben und den armen uli noch bedauern. und ganz oben, scheint es personen zu geben, die beim uli in der pflicht zu sein scheinen, die wahrscheinlich kein mitleid mit dem uli haben, aber …. und so wird halt alles wieder gut. und der uli wird bis an sein seliges ende (er soll noch ein langes leben haben) der supermanager des fcb und wohltäter bleiben dürfen. die welt hat grössere probleme und schwamm drüber.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.