Gewissensfrage für Fans: Darf man sein Herz doppelt verschenken?

Ein richtiger Fan bleibt, anders als die meisten Spieler heutzutage, seinem Verein ein Leben lang treu. Und zwar nur einem – das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Oder darf man als Fan auch wechseln?

Frauke sagt Pro:

Auch Umwege führen zum Ziel

Als Fan den Verein wechseln? Macht man nicht! Das sagt uns doch jede Stadionhymne. „Ein Leben lang, Blau und Weiß ein Leben lang“, dröhnt es beispielsweise auf Schalke nach jedem Tor aus den Lautsprechern. Mit doppelter Betonung auf „ein Leben lang“. So läuft das idealerweise: Papa nimmt Kind irgendwann das erste Mal mit ins Stadion, Kind ist begeistert von der Atmosphäre und entbrennt in ewiger Liebe zum jeweiligen Heimverein, ob Champions-League-Anwärter oder Drittliga-Absteiger – oder im Lauf der Jahre beides mal. Alle anderen sind keine richtigen Fans. Das weiß doch jeder! So wird eine persönliche und emotionale Angelegenheit zum ungeschriebenen Gesetz, mit dem sich die „richtigen“ Fans von den (zugegeben unerträglichen) Erfolgs-Hoppern abgrenzen wollen, die mal auf Dortmund, mal auf Bayern oder andere stehen – je nachdem, wer gerade oben dabei ist. Das sind dann meistens auch die, die „eigentlich nur EM und WM gucken“ und sich zu diesen Anlässen schwarzrotgoldene Striche ins Gesicht malen, aber keinen einzigen Spieler der gegnerischen Mannschaft aufzählen können. Diese Leute gehen mir auch auf den Keks. Aber ich finde trotzdem, dass man als Fan den Verein wechseln darf. Warum? Pure Selbstrechtfertigung. Gegen das harsche „Kein Vereinswechsel“-Gesetz kann ich nur subjektiv argumentieren. Meine Fanbiografie zerfällt lebenslaufbedingt in zwei Teile. In den Neunzigern habe ich keine Sendung von „ran“ verpasst, notfalls mit Hilfe des Videorekorders. Ungefähr sieben Jahre lang war ich Bayern-Fan, initiiert durch ein beeindruckendes Spiel, das irgendwann im Sommer 1994 live im Öffentlich-Rechtlichen übertragen wurde, und bestätigt durch die Höhen und Tiefen der späten 90er Jahre. Ich habe mit den Bayern Siege gefeiert und bittere Niederlagen betrauert – wohl keine so schlimm wie das Champions-League-Finale 1999. Eine Konstante in meinem Fandasein war aber auch damals schon der HSV, war das Volksparkstadion schließlich die nächstgelegene Spielstätte, die man besuchen konnte. Egal, wer da kam – der stümpernde HSV war notgedrungen immer dabei. Dann kam das Studium und mit ihm eine Phase, in der mir andere Dinge wichtiger waren als Fußball. Am Samstag, wenn die Bundesliga lief, musste ich meist arbeiten oder stand bei Theaterproben auf der Bühne. Der FC Bayern wurde in dieser Zeit mehrmals Meister, holte und entließ Felix Magath und spielte bestimmt ziemlich beeindruckenden Fußball. Ich weiß es nicht aus erster Hand und müsste es nachlesen, denn es war mir für ein paar Jahre herzlich egal. Und als das Interesse für Fußball mit dem Berufseinstieg zurückkam, kam das Fan-Gefühl für den FC Bayern nicht mit zurück. Ich war im Norden geblieben, hatte keine Verbindung zur Stadt München und war sowieso immer der einzige Bayern-Fan der Familie gewesen. Wahrscheinlich hatte es also so kommen müssen. Was aber noch da war, war der HSV. Nicht im Fernsehen, sondern in echt. Das Stadion war mittlerweile eine Arena, hatte sich um 90 Grad gedreht und mehrmals den Namen gewechselt. Außerdem war alles nun viel bunter, teurer und mainstreamiger, weil seit dem Sommermärchen viel mehr Leute heiß aufs Stadionerlebnis waren. Aber vieles erinnerte auch noch an die 90er: Das Air Bäron-Plakat war noch da, und die Einlaufmusik „HSV forever“ machte noch Gänsehaut, wenn man beim Text dezent weghörte. „Wir sind immer vorn“ stimmte beim HSV noch nie, und „Schwarz-Weiß-Blau geboren“ – tja, da war wieder das mit der lebenslangen Vereinstreue. Die kann ich mir leider nicht auf die Fahne schreiben, und es fällt nicht immer leicht, zu meinem Sympathiewechsel von Süd nach Nord zu stehen. Aber alles andere wäre gelogen. Siege gab es beim HSV wenige in letzter Zeit, dafür aber viele bittere Niederlagen. Und die tun mir heute mindestens genauso weh wie damals das Champions-League-Finale. Darf man also als Fan den Verein wechseln? Dafür sollte es kein Gesetz geben. Es kann einfach passieren, dass sich das Bild im Lauf der Zeit zurechtrückt. Und um der Frage vorzugreifen: Bei mir passiert es sicher nicht noch mal. Ich würde auch noch zum HSV stehen, wenn er in der nächsten Saison gegen Duisburg und Union Berlin spielen müsste. Aber dazu wird es nicht kommen, da vertraue ich voll auf den Trainer. Der war schließlich früher auch mal bei Bayern.

Dennis sagt contra:

Fußballliebe funktioniert nur monogam

Es mag auf den ersten Blick vielleicht etwas seltsam erscheinen, dass ausgerechnet ich der Fußballmonogamie das Wort schreibe. Erst zu Saisonbeginn hatte ich an dieser Stelle einen Einblick in mein Seelenleben gegeben und verkündet, während der Bundesligabstinenz der Frankfurter Eintracht mein Fußballherzan den HSV zu verleihen. Doch umso besser meine ich jetzt beurteilen zu können, dass derlei Flirtversuche für Fußballfans von vornherein zum Scheitern verurteilt sind. Nick Hornby hat schlicht recht, wenn er sagt:

„Seinen Verein kann man sich nicht aussuchen, der Verein sucht dich aus“ (Nick Hornby)

Auch wenn der Frust noch so groß sein mag und das Stadium der Resignation seit drei Heimspielpleiten in Folge bereits erreicht ist: Das Fußballherz wird bei einem zweiten Verein niemals so mitleiden wie bei der ersten Liebe. Das ist der Grund warum so viele Menschen samstags um 17:20 real oder virtuell ihren Fanschal verbrennen, um dann sieben Tage später wieder hoffnungsfroh in der Kurve zu stehen. Es geht einfach nicht anders, wir sind alle Opfer unserer Instinkte und Triebe. Versteht mich nicht falsch: Ich kann durchaus Sympathie für andere Vereine empfinden. Ich mag Barcelona, liebe ihr Spiel und drücke ihnen in jedem Spiel gegen Real die Daumen. Aber Liebe? Nein, das ist was anderes. Im Gegensatz zur Liebe ist Sympathie ist teilbar. Ich mag Tottenham, Arsenal und Liverpool. Alle aus ganz unterschiedlichen Gründen. Und ich empfinde darin keinen Widerspruch, trotz aller Rivalität gerade zwischen den beiden Londoner Clubs. Meine Fußballzuneigung kann man außerdem gewinnen und verlieren. Als Leverkusen unter Toppmöller 2002 einen hochattraktiven Fußball spielte, kam ich nicht umhin, die Pillendreher mit großem Gefallen spielen zu sehen. Als auf Toppmöller dann Schnarchnase Augenthaler folgte, war diese Sympathie schnell wie weggeblasen. Bei meiner Einttracht ist es anders. Ich bin jetzt das vierte Mal mit meinem Verein abgestiegen und der letzte Abstieg war mit Abstand der bitterste, weil unnötigste. Sie haben anschließend Veh als Trainer geholt – für mich wären nur Matthäus und Magath schlimmer gewesen. Und trotzdem werde ich den Adler im Herzen einfach nicht los. Deswegen freue ich mich auf den nächsten Aufstieg, der ebenso sicher irgendwann kommen wird wie der darauf folgende Abstieg. das ist eben so, wenn man nicht gerade Fan von Bayern München ist.

Ein Kommentar zu Gewissensfrage für Fans: Darf man sein Herz doppelt verschenken?

  1. fcb sagt:

    Was soll denn der letzte Satz heißen?!
    Ich bin schon mit vier im BayernOutfit rumgerannt und nicht weil es meine Eltern so wollten,denn die waren fc Köln Fans!!
    Ich weiß nicht mehr wie ich Bayern Fageworden bin…oder warum…
    Fanliebe ist irrational. Es passiert einfach das ist wie wenn ich mich in einen Mann verliebe und es liegt zuerst daran, wie schön seine Augen sind oder sein kontostand..vielleicht waren es auch die stylischen haare.. ganz egal wonach man sich auf dem ersten blick verliebt hat..es kommt auf das jetzt an.. was man jetzt fühlt und ich kann nicht mehr ohne meine geliebten Bayern und es gab für mich noch nie einen anderen und den wird es auch niemals geben !!!! Mia San mia !<3

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