Uwe Kamps

Spätestens seit dem Pokal-Halbfinale 1992 gegen Bayer Leverkusen ist Uwe Kamps bei Borussia Mönchengladbach eine Torwartlegende. Damals hielt er alle vier Elfmeter – bis heute einzigartig im deutschen Pokal. Seit 2004 und nach 390 Bundesligaspielen ist er Borussias Torwarttrainer und bildet seine Nachfolger aus. Im Interview mit ausgekontert spricht Kamps über Shooting Star Marc-André ter Stegen, die Zusammenarbeit mit Lucien Favre und Torhüter mit einem Knall.

Herr Kamps, wer ist der bessere Torhüter: Uwe Kamps Mitte der 90er Jahre oder Marc-André ter Stegen zu Beginn dieser Saison?
Marc bringt schon einiges mehr mit als ich, das muss ich leider zugeben. Die heutigen Torhüter müssen ja auch richtig gute Fußballer sein, mehr Fußarbeit verrichten. Ich dagegen konnte den Ball früher noch zehnmal hintereinander in die Hand nehmen.

Die Entwicklung im Torwartbereich haben Sie als Trainer mitgemacht. Wie haben Sie Ihre Übungen angepasst?
Ich weiß schon, worauf es ankommt. Das ist auch eine Herausforderung für mich. Aber die Arbeit macht eine Menge Spaß. Gerade dann, wenn wir in den Bereichen arbeiten, in denen ich vielleicht früher selbst nicht so gut war. Das liegt aber sicher auch daran, dass das Torwarttraining heute mehr Beachtung findet. Ich hatte in meinen 20 Profijahren nur ungefähr fünf oder sechs Jahre spezielles Training. Dirk Heyne und Uli Sude waren die Ersten, mit denen ich gearbeitet habe.

Sie sehen ter Stegen täglich. Was ist das Besondere an ihm?
Er hat viele Stärken. Vor allem das Abfangen von Flanken gehört dazu. Er hat für sein Alter bereits eine enorme Präsenz im Strafraum.

Die Lobeshymnen auf ter Stegen sind auch eine Bestätigung Ihrer Arbeit. Sind Sie stolz darauf?
Klar, es macht Spaß, wenn es so gut läuft und ein junger Torwart aus unserem Nachwuchs den Sprung schafft. Ich trainiere seit ungefähr fünf Jahren mit Marc, und es war absehbar, dass er es schaffen kann. Aber wenn er dann im Bundesliga-Tor steht, ist es ja erst einmal eine völlig neue Situation. Doch auch damit ist er gut zurechtgekommen. Uns ist aber bewusst, dass auch mal etwas schief gehen kann. Wichtig wird dann sein, daraus zu lernen und sich nicht verrückt machen zu lassen. Wir hoffen aber natürlich, dass so lange wie möglich alles rund läuft.

Sagt Ihnen Trainer Lucien Favre mal: Uwe, üb mal dieses oder jenes mit den Torhütern? Oder lässt er Ihnen freie Hand?
Über das Training darf ich selbst entscheiden. Und ich bin froh, dass der Trainer es befürwortet, dass wir einige Junioren-Torhüter mit zum Profi-Training nehmen. Das war bei Marc so oder auch bei Janis Blaswich, unserem dritten Torhüter. Und vor ein paar Jahren haben wir mit Freddy Löhe das Gleiche gemacht. Jetzt zahlt es sich aus.

Über die Leistungen der Torhüter tauschen Sie sich doch sicher aus.
Na klar. Wir reden täglich und diskutieren auch schon mal die eine oder andere Spielszene. Wenn etwas nicht so gut lief, greifen wir es im Training auf und trainieren dann speziell – mit den Füßen beispielsweise, falls mal ein langer Schlag nicht genau genug kam.

Sie waren hautnah dabei und können uns sicher sagen, was Favres Geheimnis ist. Wie hat er aus der eigentlich schon abgestiegenen Borussia ein Team geformt, das jetzt einen wahren Lauf hat?
Das Geheimnis muss er schon selbst lüften. Aber auch ich finde, dass es einem kleinen Wunder gleich kommt, dass wir noch in der Bundesliga spielen.

Sie haben also selbst nicht mehr an die Rettung geglaubt?
Nach dem unglücklichen 0:1 gegen Kaiserslautern sah es wirklich sehr finster aus. Aber dann kam das 5:1 gegen den 1. FC Köln, was hier in der Region sehr wichtig war. Danach hat die Mannschaft wieder an sich geglaubt. Dieser Sieg war der Schlüssel zum Klassenerhalt.

Und was ist diese Saison für Borussia drin?
Wichtig ist, dass wir gut gestartet sind. Das waren wir in der vergangenen Saison zwar auch mit dem 6:3 in Leverkusen, aber dann kam das 0:4 gegen Frankfurt am dritten Spieltag und eine Woche später das 0:7 in Stuttgart. Daher war es eine gute Sache, dass wir diesmal am dritten Spieltag gegen Wolfsburg gewonnen haben. Was tatsächlich am Ende dabei herauskommt, muss man abwarten. Wir haben aber schon gesehen, dass wir mit allen Mannschaften mithalten können.

Wie lange wollen Sie Torwarttrainer bleiben?
Ich bin nun im 30. Jahr im Klub. Und es können gerne noch einige Jahre dazukommen. Nur wenn ich irgendwann mal Probleme haben sollte, auf den Platz zu kommen, dann werde ich rechtzeitig aufhören.

Eine letzte Frage noch: Man sagt ja, Torhüter haben einen Knall. Können Sie das bestätigen?
Absolut, die meisten haben eine Macke. Denn wir Torhüter müssen ja bescheuert genug sein, uns aus kurzer Distanz die Bälle an den Kopf donnern zu lassen.

 

Ein Dank für das verwendete Foto geht an Borussia Mönchengladbach.

25. August 2011

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