Ansgar Brinkmann

Sein Ex-Trainer Rolf Schafstall gab ihm zu Recht den Namen „Der weiße Brasilianer“. Weil Ansgar Brinkmann mit dem Ball umgehen kann, wie es nördlich des Äquators nur ganz wenige können. Und weil er immer mal wieder für Ungewöhnliches zu haben ist – auf und neben dem Platz. Im Interview mit ausgekontert spricht der ehemalige Bundesliga-Profi über seine Zukunft im Fußballgeschäft, verpasste Chancen, zu wenige Straßenfußballer und eine Null auf der Geschäftstelle von Arminia Bielefeld.

Herzlichen Glückwunsch zur Trainer-A-Lizenz! Wird man Dich deswegen bald wieder auf der großen Fußballbühne sehen?
Die Lizenz zu machen hat mir wahnsinnig Spaß gemacht. Als nächstes peile ich den Fußballlehrer an. Ich glaube schon, dass ich prädestiniert dafür bin, einen Verein zu übernehmen. Grundsätzlich kann ich mir vorstellen, in der Personalpolitik von Klubs tätig zu sein. Derzeit bin ich aber glücklich darüber, als Experte für Sky, Liga total und einige Printmedien zu arbeiten. Ich verfolge die erste bis dritte Liga ganz genau und kenne mich dort aus.

Die Liste Deiner Ex-Klubs ist lang. Für den VfL Osnabrück hast Du die meisten Spiele gemacht. Wie siehst Du die Entwicklung des VfL? Kommt er mal weg vom Status einer Fahrstuhlmannschaft?
Ich kenne die Mannschaft in- und auswendig, habe zu einigen Spielern Kontakt. Ich glaube schon, dass die Mannschaft ausreichend Qualität hat, die Klasse zu halten. Lothar Gans und Karsten Baumann haben in der dritten Liga einen Top-Job gemacht. Es war nicht einfach, eine komplett neue Truppe aufzubauen. Der VfL hat hoffentlich aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Wichtig ist jetzt aber erstmal, irgendwie die Klasse zu halten. Denn nur so kann man etwas aufbauen und interessante Spieler anlocken. Flamur Kastrati ist das beste Beispiel dafür. Er ist eine Granate.

Bist Du öfter mal an der Bremer Brücke?
Ja, ich wohne in Osnabrück und gehe so oft ich kann ins Stadion. Dort habe ich noch viele alte Freunde, wie Joe Enochs zum Beispiel.

Du bekommst sicher feuchte Augen, wenn Du die Zweitligatabelle siehst und Arminia Bielefeld abgeschlagen auf dem letzten Platz steht. Was ist da schief gelaufen?
Oh, das tut weh. Sicher, sie haben einige finanzielle Probleme. Aber auch da muss man sich fragen, warum sie die haben. Ich habe den Eindruck, dass der Verein kein Konzept hat. Normalerweise sucht man sich danach den Trainer und die Spieler aus. Bei Arminia lief das umgekehrt: da kamen die Trainer und haben das Konzept mitgebracht. So kann es nicht klappen.

Die Saison ist nicht mehr zu retten, oder?
Auf keinen Fall. Ich schätze Christian Ziege als Typ, aber ich glaube, dass er die zweite Liga unterschätzt hat. Ich will keine Namen nennen, aber die Qualität in der Mannschaft reicht nicht. Da sollten die Verantwortlichen den Fans reinen Wein einschenken und sagen: Kommt, wir machen einen Neuaufbau in der dritten Liga. Schon in der Winterpause hätte man das Geld sparen müssen. Aber sie klammern sich an den letzten Strohhalm. Von Ewald Lienen mal abgesehen, fehlt die sportliche Kompetenz. Das lässt sich nicht schönreden. Ich sag immer: Wer bei Arminia die Null wählt, hat Ralf Schnitzmeier dran. Dass der Manager in der Pause gegen Bochum beim Stand von 0:1 sagt, dass Bochum nicht deren Kragenweite ist, finde ich unglaublich. Das Spiel war doch noch längst nicht verloren. Da wird mir schlecht.

Hat Dich jemand im Verein mal um Hilfe gebeten? Oder ist der Kontakt zur Arminia abgebrochen?
Ich habe zwar noch Kontakte. Aber es gefällt nicht jedem, dass ich kritisiere und dass jemand mal unangenehm ist. Es gab zwei Termine mit Schnitzmeier, aber beide Male hat mir seine Sekretärin abgesagt. Einen dritten kriegt er bestimmt nicht mehr.

Wegen Typen wie Dir sind die Leute früher ins Stadion gekommen. Siehst Du einen Nachfolger von Dir in der Bundesliga oder sind dort nur noch liebe Schwiegersöhne unterwegs?
In den Interviews hört man doch nur noch: Da müssen Sie den Trainer fragen. Oder Ausreden wie: Der Rasen war zu lang. Das kommt bei mir nicht an. Sportlich sind Arjen Robben, Franck Ribéry und – obwohl es bei Werder nicht läuft – Marko Marin echte Lichtblicke. Das sind noch Straßenfußballer.

Ärgerst Du Dich im Nachhinein, dass Du nicht viel mehr aus Deiner Karriere gemacht hast? Technisch konnten Dir schließlich nicht viele das Wasser reichen, das haben etliche Trainer und andere Fachleute bestätigt. Würdest Du heute irgendetwas anders machen?
Im Nachhinein muss ich schon sagen, dass ich einiges ändern würde. Mit dem Wissen von heute wäre es dämlich, das nicht zu tun. Ich wäre bestimmt manchmal diplomatischer, würde nicht immer meinen Willen durchsetzen wollen. Dann hätte ich es wahrscheinlich zu einem Top-Klub oder sogar in die Nationalelf geschafft. Das wäre schöner als 50 Anekdoten, die es mit mir gibt.

Das gibt dadurch aber genug Stoff für Deine Biografie, die im April erscheint. Auf was können sich die Leser des Buches „Der weiße Brasilianer“ freuen?
Diejenigen, die das Skript gelesen haben, sagen, dass es sehr unterhaltsam ist. Ich habe geschildert, dass ein Fußballerleben auch anders laufen kann. Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt lagen bei mir immer eng aneinander. Im Buch gibt es ein paar Geschichten, die noch nirgends zu lesen waren. Ich denke, ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich in meiner Karriere immer für Unterhaltung gesorgt habe.

Wer noch mehr über Ansgar Brinkmann erfahren will, clickt auf seine neue Homepage. An diese Adresse geht übrigens auch der Dank für die Fotos.

21. Februar 2011

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