Darum ist die Trennung von Hecking richtig

Borussia Mönchengladbach trennt sich am Saisonende von seinem Trainer Dieter Hecking. Das ist an für sich nichts Ungewöhnliches. Aber Borussia steht nach 27 Spieltagen auf Rang fünf. Von solch einer Platzierung durften die Gladbach-Fans jahrzehntelang nur träumen. Trotzdem ist der Schritt genau richtig – und kommt vielleicht sogar ein Jahr zu spät.

Der Sieg auf Schalke am 20. Spieltag war im Nachhinein nachteilig. Damit hatte Gladbach auch das dritte Rückrundenspiel zu Null gewonnen. Alle Medien haben sie für das perfekt herausgespielte zweite Tor mit zweieinhalb Minuten ununterbrochenem Ballbesitz abgefeiert (ich übrigens auch) und sogar von der Meisterschaft geredet (ich übrigens nicht). Aber in Wirklichkeit ging doch schon seit November spielerisch gar nichts mehr.

Es hat noch zu mehr oder weniger schnöden Heimsiegen gegen Nürnberg, Stuttgart, Hannover und Augsburg gereicht, aber beim 2:0 auf Schalke und vor allem beim 1:0 in Leverkusen hat die Fohlenelf schon sehr viel Glück gehabt. Außerdem gab es die Auswärtsspiele in Leipzig (0:1), Hoffenheim (0:0) und Dortmund (1:2) mit insgesamt maximal zweieinhalb eigenen Torchancen.

Spätestens in dieser Saison ist sehr offensichtlich geworden, dass Hecking taktisch nicht allzu viel drauf hat. Wer sich derzeit gegen Borussia hinten reinstellt, auf Ballverluste spekuliert und schnell kontert, wird ziemlich sicher das Spiel nicht verlieren (siehe Freiburg und Düsseldorf). Darauf findet Hecking keine Antwort. Klar darf man auch die Spieler nicht außer Acht lassen. Hazard ist in der Rückrunde ein völlig anderer Spieler. Plea ist schon in der Hinrunde zu hoch gehyped worden. Seine elf Saisontore sind natürlich eine ordentliche Hausnummer, aber spielerisch, (teilweise) technisch und auch körperlich ist er ein unterdurchschnittlicher Bundesligastürmer. Auch die Abwehrreihe macht Fehler, die es in der Hinrunde einfach nicht gab.

Hecking setzt auf Ballbesitzfußball. Wenn der mit Tempo einhergeht, ist er sicher sehr attraktiv, wie etliche Spiele in der Hinrunde gezeigt haben. Aber der Trainer ist starrsinnig, obwohl sein Code geknackt wurde. Trotzdem bleibt es beim 4-3-3, während des Spiels wechselt er höchstens mal positionsgetreu. Er ist und bleibt einfach kein In-Game-Coach. Sein Vorvorgänger Lucien Favre ist ein Meister darin, das Spiel zu lesen und durch taktische Veränderungen auf seine Seite zu ziehen. Das habe ich bei Hecking noch nicht ein einziges Mal in zweieinhalb Jahren gesehen.

Nun geht es nur noch um einen halbwegs vernünftigen Abschied. Der komfortable Zehn-Punkte-Vorsprung auf Platz fünf ist verpufft. Und das Gladbacher Restprogramm hat es auch in sich. Mit Bremen, Leipzig, Hoffenheim und Dortmund kommen Mannschaften, die allesamt einen guten Lauf haben. Und auswärts geht’s ausnahmslos zu Mannschaften, die nichts zu verschenken haben (Hannover, Stuttgart, Nürnberg). Ich fürchte, es werden nicht mehr viele Punkte dazukommen. Leverkusen dürfte noch vorbeiziehen. Es geht also um Platz sechs mit Werder, Hoffenheim und Wolfsburg.

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