Wer hat Lust auf die Europa League?

Die Europa League 2 erhitzt gerade die Gemüter. Dabei ist schon der Umgang mit der ersten Ausgabe des Wettbewerbs diskutabel. Liegt das Problem bei der Uefa? Oder bei den (deutschen) Vereinen?

Die Gruppenphase der europäischen Wettbewerbe (noch sind es ja nur zwei) neigt sich dem Ende zu. Die deutschen Vereine schneiden, so viel steht jetzt schon fest, wesentlich besser ab als in der vergangenen Saison. Doch ein genauer Blick zeigt, dass die Wertschätzung gerade in der Europa League doch sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Diesen Cup hat noch kein DFL-Club gewonnen, auch im Finale war keiner. Er wird seit jeher eher stiefmütterlich behandelt. Dafür spricht zumindest der jünsgte Trend. Eine Ausnahme aber gibt es. Und die ist mehr als bemerkenswert.

Schauen wir aber zunächst mal ein Jahr zurück. Im Wettbewerb damals vertreten: der SC Freiburg, Hertha BSC, 1899 Hoffenheim und der 1. FC Köln. Das Abschneiden: absolut blamabel. Die Breisgauer scheiterten schon in der Qualifikation an einem slowenischen Gegner namens NK Domzale. Vermutlich unterschätzt. Man ist geneigt zu sagen: Kann passieren. Trotzdem doof, da hilft auch das Underdog-Image der Schwarzwälder nicht. Fast noch schlimmer war aber das, was das Bundesliga-Trio anschließend in den je sechs Punktpartien ablieferte. Vor allem Berliner und Kraichgauer boten immer wieder B-Formationen auf, um die Ziele in der Liga (paradoxerweise die erneute Zulassung zum internationalen Geschäft) nicht zu gefährden. Gegen absolute No-Names (Östersund, Rasgrad) war folgerichtig Schluss. Peinlich. Der FC hingegen war quasi vom ersten Spieltag an in höchster Abstiegsnot, schickte trotzdem meist passable Aufstellungen ins Rennen und musste sich letztlich doch dem FC Arsenal und Roter Stern Belgrad (zuletzt immerhin Bezwinger des FC Liverpool) beugen. Borussia Dortmund und vor allem RB Leipzig polierten das Bild als Absteiger aus der Champions League später ein klein wenig auf.

Dennoch: Die Hoffnung, dass dieses Jahr alles besser würde, war nicht zu zuversichtlich gedacht. Schlechter ging ja auch nicht. Auch wenn Bayer Leverkusen wenigstens die Pflicht erfüllte und vorzeitig ins Sechzehntelfinale einzog, war bei weitem nicht alles Sahne. Larnaka und schon wieder Rasgrad, da war das Weiterkommen eine Selbstverständlichkeit, dem FC Zürich muss die Werkself Stand heute sogar den Vortritt lassen. Viel besser machte es Eintracht Frankfurt, aktuell zweifellos das leuchtende deutsche Vorbild im Umgang mit internationalen Weihen. Schon bei den vergangenen Europacup-Teilnahmen zeigten sich die Fans der Hessen begeisterungsfähig und reisefreudig. Noch heute erzählen sie sich am Main zum Beispiel von den Massenbewegungen Richtung Bordeaux im November 2013. Damals stellten die 12 000 Anhänger sogar einen Zuschauerrekord auf. In diesem Jahr kam für den Pokalsieger sogar noch durchgehend sportlicher Erfolg dazu. Einfach fabelhaft und (dank Nitro auch öfter im Free-TV) schön anzusehen, wie die Eintracht gleich zu Beginn Olympique Marseille und Lazio Rom aus dem Weg räumte. Nach fünf Spielen steht die Optimalausbeute von 15 Punkten zu Buche. Wahnsinn in dieser Gruppe! Fast noch aufsehenerregender aber war der Auftritt der Fans. Selbst wer ein entschiedener Gegner von Pyrotechnik ist, musste zugeben, dass die Choreografien im dreimal ausverkauften Stadion Gänsehaut erzeugten und ein Sinnbild für den ursprünglichen Gedanken dieser Wettbewerbe war. Einfach Feiertage! Möge es die Frankfurter noch einige Runden weiter tragen! Zumal ein Geisterspiel in Marseille, die begrenzte Stadionkapazität im zypriotischen Limassol und die engen Polizeivorgaben in Rom noch keine echte Auswärtstour zuließen.

Die SGE liebt die Europa League, der Vierfachsieger FC Sevilla war mit seinen Fans in der Vergangenheit ein ähnlich glühender Vertreter. Auf der anderen Seite der Skala, wo viele Jahre italienische Mannschaften wertvollen Boden verschenkten, findet sich Leipzig. In der Vorsaison in der Champions League versuchte der Club vergeblich alles, um ins Achtelfinale einzuziehen (Gleiches tat in diesem Jahr übrigens Hoffenheim ohne Erfolg). Jetzt, eine Etage tiefer, zieht Übervater Ralf Rangnick die Integrität des sächsischen Projekts wieder schwer in Zweifel. Nach dem 0:1 beim Schwesterverein Red Bull Salzburg steht fest, dass Leipzig nicht mehr aus eigener Kraft weiterkommen kann. Dass der Zuschauerzuspruch bislang überaus dürftig, fast miserabel war, darf niemanden mehr erschrecken, in Leverkusen, Berlin oder Hoffenheim ist das kaum anders. Dass Rangnick aber jüngst wissen ließ, dass das internationale Geschäft in diesem Jahr nun wirklich keine Priorität habe, muss in zweierlei Hinsicht aufhorchen lassen. Lässt sich da ein Bundesligist hängen, ignoriert die Fünfjahreswertung und lässt andere Vereine, die gern mitgemischt hätten (wie der in der Vorsaison siebtplatzierte VfB Stuttgart, dem eine ähnliche Freude wie den Frankfurtern daran zuzutrauen ist) in die Röhre schauen? Und nutzte RB den massiv umstrittenen Uefa-Beschluss, gemeinsam mit Salzburg im selben Wettbewerb antreten zu dürfen, um die Österreicher mit zwei Siegen durchzuwinken? Punkt zwei lässt sich kaum belegen und klingt ziemlich abstrus. Punkt eins aber zeigt stellvertretend, wie manche deutsche Vereine mit dem Startrecht auf internationalem Parkett umgehen.

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