Die Sache mit der echten Liebe

Mit steigender Verwunderung verfolge ich die Diskussionen rund um die Montagsspiele in der Fußball-Bundesliga. Vorab: Ich bin selbst auch gegen Montagsspiele und eine weitere Aufweichung der Spieltage. Aber wenn ich sehe, welche Blüten der Protest gegen diese Terminansetzung trägt, kann ich nur den Kopf schütteln.

Ich lebe quasi vor den Toren Dortmunds, zumindest im so genannten Speckgürtel drum herum. Jeder Zweite in meinem Freundes- und Bekanntenkreis bekennt sich offen zu schwarz-gelb. Immer wieder höre ich, dass die Beziehung zwischen Fans und Verein in Dortmund etwas ganz Besonderes ist. Getreu des Vereinsmottos: Echt Liebe!

Schaue ich wenige Tage zurück, blieben über 20.000 BVB-Fans einem Heimspiel ihrer Mannschaft gegen den FC Augsburg fern, da die Partie an einem Montagabend angepfiffen wurde. Gibt es montags also keine echte Liebe? Gibt es echte Liebe nur von dienstags bis sonntags?

Stelle ich diese Frage im Freundeskreis, ernte ich ratlose und zum Teil auch verärgerte Blicke. Aber warum? Es macht den BVB-Fans auch nichts aus, an einem Dienstag oder Mittwoch zu einem Pokal- oder gar Champions League-Spiel ins Stadion zu strömen. Auch donnerstags sind die Spiele in der Europa-League nach wie vor Zuschauermagneten.

Warum also diese Ablehnung gegen die Montagsspiele? Weil es etwas Neues und Ungewohntes ist? Aus BVB-Fankreisen höre ich in diesem Zusammenhang immer wieder Aussagen wie „Scheiß DFL“ und „Scheiß DFB“. Das ist mir zu einfach. Wie jedem echten Fan, der sich mit seinem Verein beschäftigt, bekannt sein dürfte, haben DFL und DFB die Einführung der Montagsspiele nicht allein entschieden. Sämtliche Bundesliga-Vereine durften mitentscheiden und haben ohne Ausnahme dafür gestimmt. Also auch der BVB, also auch Hans-Joachim Watzke und seine Kollegen. Ausrufe wie „Scheiß Aki Watze“ habe ich im Signal Iduna Park aber noch nicht gehört. Einmal mehr wird mit der DFL und dem DFB ein Sündenbock für etwas gesucht, was auch der eigene Verein mitverschuldet hat. Kritik am eigenen Verein und dessen Führung: Fehlanzeige!

Und mal ganz im Ernst: Wir reden von fünf Spielen pro Saison. Heißt: Mein Verein ist, wenn überhaupt, nur einmal von einer Montagsansetzung betroffen. Ich selbst bin Werder-Fan. Mich erwischt es am kommenden Montag auch. Dann spielt Werder zuhause gegen Köln. Und obwohl es ein Spiel in der Woche ist, nehme ich dennoch über 500 Kilometer Fahrt auf mich (Hin- und Rückfahrt zusammengerechnet).

Auch einige Ultra-Gruppierungen in Bremen haben schon zum Boykott des Spiels aufgerufen. Für mich ist das jedoch kein Grund, meine Dauerkarte verfallen zu lassen und nicht zum Spiel zu gehen. Wieso auch? Meine Mannschaft braucht meine bzw. die Unterstützung der gesamten Fangemeinde bei jedem Spiel – egal an welchem Wochentag, also auch montags. Sollen doch Fans wegbleiben, wenn sie meinen, dass sie damit irgendwas bewirken. Für mich bedeutet Fan zu sein, mein Team bedingungslos zu unterstützen – egal wann, egal wo. An den letzten Fanboykott in Bremen habe ich übrigens beste Erinnerungen. Es war im Mai 2016 und es gab einen 6:2-Sieg gegen Stuttgart. Die Stimmung war legendär und viele der Fans, die der Partie ferngeblieben sind, haben sich sicherlich sehr geärgert, nicht dabei gewesen zu sein. Zu Recht!

Aber noch einmal zurück zum BVB: Vor jedem Spiel singt die Südtribüne lautstark das Lied „You`ll never walk alone“. Ok, das Lied ist geklaut und gehört eigentlich einzig und allein an die Liverpooler Anfield Road. Worauf ich aber eigentlich hinausmöchte: Jeder Dortmund-Fan, der diesen Song mitsingt, dann aber montags nicht zum Spiel geht, scheint der englischen Sprache nicht mächtig zu sein und nicht zu verstehen, was er oder sie da singt. Denn: „You`ll never walk alone“ bedeutet ja schließlich nichts anderes als „Du wirst niemals allein gehen“. In Dortmund scheint hier eine Ausnahme gemacht zu werden: Montags gilt dieser Slogan, dieses Versprechen nämlich offensichtlich nicht.

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