Südstadion: Marode Familienatmosphäre

Was für ein Traditionsduell am ersten Spieltag der Drittligarückrunde: Fortuna Köln trifft im Südstadion auf Carl-Zeiss Jena. Die Anreise verläuft anders als geplant: Sturmtief Friederike verhindert die geplante Bahnreise. Zum Glück lässt sich spontan eine Mitfahrt im Auto eines Bekannten organisieren, den es ebenfalls in die Domstadt zieht.

In Köln läuft der Bahnverkehr wieder problemlos. Da die Stadionkarte nicht für den von den Höhnern besungenen Verkehrsverbund gilt, muss ein Tagesticket her. Die Buchung über die Bahn-App läuft einfacher als die Auswahl der Karte am Automaten. Mit einem Umstieg am Hansaring geht es zur Pohligstrae in Köln-Zollstock. Dauert gar nicht lange.

Von der Haltestelle aus liegt das Stadion nur eine Früh-Kölsch-Länge entfernt. Beim Sportclub Fortuna hingegen wird Gaffel ausgeschenkt. Preislich sind die Halbliterpreise fair. Die Krakauer kann sich ebenfalls sehen und vor allem schmecken lassen. Das nette Stadionheft bekommt der Besucher gratis. Engagierte Fortunen sammeln fuer karitative Zwecke. Pluspunkt!

Die Sitzplatztribüne ist trotz der 27 Euro für das Online-Ticket eine gute Wahl, denn es regnet an diesem Samstag im Januar 2018 ohne Unterlass. Die freie Platzwahl sichert uns „early birds“ Sitzschalen an der Mittellinie, leider in Hörweite eines Trommelbereiches für die ganz jungen Fortunen. Immerhin haben die ihren Spaß.

Das Spiel ist mäßig, Jena beginnt besser. Erst langsam wird der Gastgeber stärker. Große Chancen sind zu Beginn Mangelware. Bei Köln ragen der schnelle Hamdi Dahmani und der technisch versierte, abgeklärte aber bei den Pässen oft unkonzentrierte Maik Kegel heraus. Die junge Verteidigung der Kölner steht gut, zeigt aber in Druckphasen teilweise fehlende Erfahrung. Insgesamt erkennt man bei den Fortunen das Potential in Technik und Schnelligkeit, Ideen und Präzision im Gang nach vorne sind leider rar. Torhüter Boss pariert wenige Chancen der Gäste gut, wackelt aber zweimal bei Flanken.

Bei Jena räumen Jan Löhmannsröben und Sören Eismann defensiv viel ab, offensiv sorgt Augsburg-Leigabe Julian Günther-Schmidt für ordentlichen Betrieb. Später debütiert der stämmige Kevin Pannewitz solide. Wie schon beim Aufwärmen, streut der FCC immer wieder Diagonalbälle in die Spitze ein, die zwar einige Unsicherheiten bei den Fortunen aufzeigen, aber nur selten für echte Torgefahr sorgen.

In der Pause gönnen sich die Zuschauer nette Gespräche bei Köelsch und Wurst. Man kennt sich hier weitgehend. Unter den 1.900 Besuchern sind etwa 300 Gäste zu finden, von denen noch die meiste Stimmung ausgeht. Der kleine Ultra-Bereich der Heimfans auf der Gegengerade ist stets bemueht, aber nicht wirklich durchdringend. Bei einem Stadion, in dem nur die Haupttribüne ueberdacht ist, darf man nicht viel, aber etwas mehr erwarten. Die Anzeigetafel auf Höhe der Mittellinie funktioniert noch manuell, das elektronische Modell hinter dem Gaesteblock scheint defekt zu sein und ist mit Bannern ueberhängt. Insgesamt fällt die kleinteilige Werbung lokaler Mittelständler wohltuend auf. Das SCF-Maskottchen, ein brauner Panda, winkt uns grenzdebil.

Insgesamt ist das Stadion arg in die Jahre gekommen. Auch die Toiletten im Keller unter der Haupttribüne haben sicherlich schon bessere Zeiten gesehen. Ein Geländer trennt schon an der ersten Stufe hinab die Zugänge der Geschlechter.

Zurück auf den Rasen: Spielerisch merkt man, dass bis jetzt Winterpause war. Das Tor des Tages fällt natürlich durch einen Standard. Nico Brandenburger köpft nach einer Kegel-Ecke zum Siegtor ein, die Jenaer Schlussoffensive verpufft. Dass hier der spätere Tabellenvierte auf den Tabellenvierzehnten getroffen ist, wird leistungstechnisch nicht sichtbar.

Insgesamt war es schön, die Traditionsstätte Südstadion besucht zu haben. Mehr Zuschauer, besseres Wetter und hochwertigerer Fuball hätten die Tour sicherlich noch mehr in Erinnerung bringen können.

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