Feiertag in Holland

Im Mai hatten wir uns noch Hoffnungen gemacht, am 6. August in Enschede neben einem neuen Stadion auf unserer Liste auch die DFB-Damen im Finale der Frauen-Europameisterschaft anfeuern zu können. Da sich die DFB-Elf allerdings im Turnier schwer tat, überraschte es uns nicht, dass es für das Endspiel in De Grolsch Veste nicht reichte.

Mit einem Rundgang durch die Innenstadt bei Kibbelingen und Frühlingsrollen startete das Besuchsprogramm im einladenden Enschede. Auf der Fanmeile am Rande der City steppte bereits früh der Bär: Bei holländischen Klassikern und grenzdebilen Elektro-Pop-Songs stimmte sich Oranje auf das Endspiel gegen Dänemark ein. Rund 3.000 Anhänger von Danish Dynamite waren ebenfalls vor Ort. Die Stimmung war friedlich, ausgelassen und gelöst: Auf der Fanmeile, dem Marsch zum Stadion und beim Endspiel selbst. Viele Familien waren unterwegs, das Enspiel lockte auch überdurchschnittlich viele weibliche Fans an.

In der Grolsch-Vestung, deren Besuch uns aufgrund der Architektur und der Stimmung positiv überraschte, bekamen wir im fast ausverkauften Haus ein Endspiel der besseren Art zu sehen. Anstelle taktischen Abtastens ging es torreich los: Dänemark ging durch einen berechtigten Strafstoß in Führung, die Niederlande glichen nach einem tollen Sprint der blitzschnellen Shanice van de Sanden, deren Querpass die Mitspielerin nur noch einschieben musste, aus. Zwei präzise Flachschüsse in die Torecken brachten die Führung für die Niederlande durch Lieke Martens und den Ausgleich durch Dänemarks Spielführerin Pernille Harder, die ihre Fußballschuhe für den VfL Wolfsburg schnürt. Beide Spielerinnen gehörten neben van de Sanden zu den auffälligsten Spielerinnen des Finals. Martens wurde im Anschluss auch zur Spielerin des Turniers gekürt.

Mit dem 2:2 ging es in die Pause, wo das alkoholfreie und UEFA-lizensierte Carlsberg nur nach dem Tausch von Bargeld in Twente Enschede-Plastiktaler (Kurswert 1:2) erworben werden konnte.

Nach der Pause trafen die Gastgeberinnen unter großem Beifall zur Führung. Die Gäste aus Dänemark nahmen in der Folge die Partie stärker in die Hand, kamen allerdings nur zu wenigen großen Chancen. Die Niederländerinnen blieben durch ihre schnellen Konter gefährlich. Eine Großchance entschärfte die dänische Torfrau mit einer sensationellen Fußabwehr. Den Siegtreffer durch Doppeltorschützin Vivianne Miedema konnte sie kurz vor Spielende allerdings nicht verhindern.

Die anschließende Siegerehrung im inzwischen zum Hexenkessel mutierten Stadion fiel dankenswerterweise ebenso wenig übertrieben pompös aus wie die Abschlussfeier vor dem Anpfiff. UEFA und DFB könnten sich eine Scheibe für die nächsten Finals in der Champions League und im DFB-Pokal abschneiden.

Die Stimmung beim Finale war natürlich eine andere in der deutschen Bundesliga. Auf eine gewisse Art war es eine erholsame Abwechslung zum so eingeübten „Wir-gegen-die“-Denken, wie wir es aus Deutschland kennen. Das holländische Finale war ein gemeinsamer Festakt für den Frauenfußball, ein „Event“ im positiven Sinne. Das haben sicherlich viele der geschätzt 1.000 deutschen Fußballanhänger im Stadion so empfunden.

 

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