Risse in der Seele? Die Risiken des Aufstiegs

Nach 36 Jahren kehrt Holstein Kiel in die 2. Bundesliga zurück. Diesen Erfolg hatten die Spieler, Funktionäre – allen voran der jüngst Verstorbene KSV-Präsident Roland Reime, Fans und die ganze Region der Profifußballdiaspora Schleswig-Holstein herbeigesehnt. Vor zwei Jahren zerbrach das Team vor Enttäuschung nach dem Aus in den Schlussminuten des Relegationsrückspiels beim TSV 1860 München. Nun steigt das Team trotz mäßiger Hinrunde auf – dank einer langen Serie ohne Niederlage.

Während die Störche damals in der 2. Liga Nord antraten, steht heute die eingleisige und deutlich professionellere 2. Bundesliga vor der Mannschaft vom Westring 501. Und da beginnen die Probleme:

Die Stadionkapazität muss ausgeweitet werden. Die provisorischen Tribünen im Westen und Norden werden dafür wohl erweitert, was beim Bau bereits mit einkalkuliert wurde. Trotz der Ausweitung der Kapazität auf 15.000 Zuschauer wird das Stadion nun wohl häufiger ausverkauft sein. Der spontane Stadionbesuch wird für langjährige Besucher der KSV-Spiele schwieriger, die Ticketpreise werden anziehen, die persönliche und familiäre Atmosphäre könnte leiden.

Das Kieler Stadion ist in die Jahre gekommen. Für Romantiker wäre es toll, die Südtribüne und die Ostkurve (inkl. des Gästebereiches) zu modernisieren und letztere zu überdachen. Im Westen und Norden wäre eine stabile Dauerlösung heimeliger als die Stahlrohrübergangstribünen. Zu befürchten ist, dass die Gästekurve – gerade aufgrund des Zeitdrucks vor der Zweitligasaison – ähnlich provisorisch ausgebaut wird, wie die Westtribüne seinerzeit.

Modernisierungen im Bereich von Umkleidekabinen, Presse- und VIP-Plätzen sind nötig, werden aber auf der Haupttribüne an ihre räumlichen und baulichen Grenzen stoßen. Daher hat KSV-Mäzen Gerhard Lütje (76,Unternehmensgruppe CITTI) einen Stadionneubau vorgeschlagen. Hier soll, wie andernorts üblich, die Politik einspringen. Dieses Vorgehen ist grundsätzlich problematisch, allerdings haben andere Standorte hierdurch bereits Wettbewerbsvorteile erfahren.

Für die Zeit des Umbaus muss die Kieler Sportvereinigung von 1900 Ausweichstadien benennen. Darunter sollen das Millerntor in Hamburg und die Lohmühle in Lübeck fallen. Insbesondere letztgenannte Variante würde sicherlich zu einigen Bauchschmerzen führen – bei Fans und Polizei. Vielleicht muss die Ausweichvariante am Ende idealerweise nicht genutzt werden.

Verstärkungen wird es im Kader geben müssen, um in der 2. Liga zu bestehen. Damit geht der Vereine gewisse finanzielle Risiken ein, gerade wenn es direkt wieder zurück in die 3. Liga geht. Zudem droht der Abgang von Identifikationsfiguren im Kader – aus sportlichen Gründen und durch Abwerbungen.

Alle genannten Risiken sind zu meistern. Es gibt allerdings die Gefahr, dass die KSV ihre Seele ein Stück weit verliert: Als familiärer, nahbarer Verein um die Ecke. In der zweiten Liga.

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