Missmanagement oder strukturelle Probleme? Finanzkrisen in der 3. Liga

Der FSV Frankfurt verzeichnet ein Minus von 830.000 Euro, der Chemnitzer FC musste erst im November eine Finanzierungslücke in Höhe von drei Millionen Euro bekanntgeben, der VfR Aalen bekommt wegen eines Insolvenzantrages vorläufig neun Punkte abgezogen und der SC Paderborn rechnet zum Saisonende mit 2,5 Millionen Euro zusätzlichen Schulden (dazu seien hier die Folgen 71 und 72 PaderCasts, einem Podcast von treuen Anhängern des SC Paderborn, empfohlen).

Die finanziell angespannte Situation von Klubs in der 3. Liga ist nicht neu. Sie betrifft auch einige Regionalligavereine, speziell solche mit großen Stadionneubauten.

Viele Drittligisten stecken in einem Dilemma: Sie investieren viel Geld in ihre Mannschaften, um den Abstieg zu vermeiden oder kurzfristig in der zweiten Liga zu spielen und dort höhere Einnahmen – etwa aus TV-Rechten, zusätzlichen Sponsoring-Verträgen oder Ticketerlösen – zu erhalten. Gute Spieler kosten allerdings auch gutes Geld und unterschreiben eher selten kurzfristige Kontrakte. Damit bürden sich die Klubs finanzielle Lasten auf, die im Falle sportlich ausbleibenden Erfolgs die Schulden von morgen sind. Verschärft ist dieses Dilemma bei Absteigern zu beobachten, deren Spieler entweder keinen Vertrag für den Abstiegsfall besitzen und – finanziell vorteilhaft und sportlich nachteilig – den Klub verlassen oder andererseits langfristig an ihren Verein gebunden sind und diesen jeden Monat ein Gehalt kosten, das in der Regel an dem Niveau der oberen Liga orientiert sein dürfte. Für ein „Übergangsjahr“ dürfte ein teurer Kader eines Absteigers aus der 2. Liga in der dritthöchsten Spielklasse – mit einigen Kraftanstrengungen – zu finanzieren sein. Wird der direkte Wiederaufstieg jedoch verfehlt, geraten nicht wenige Klubs aufgrund der Schieflage bei der Gehaltsstruktur in erhebliche finanzielle Turbulenzen. Fehlende Siege auf dem grünen Rasen wirken sich dabei nämlich oft direkt auf den Zuschauerschnitt und das Engagement alter und potentieller Sponsoren aus. Die Abwärtsspirale nimmt Fahrt auf. Springen nun nicht Sponsoren/Investoren, Kommunen/städtische Tochterunternehmen (bzw. die Steuerzahler) oder die Fans (über Crowdfunding oder andere Aktionen) ein, wird aus dem Traditionsverein schnell ein Insolvenzfall.

Die Klubs müssen dabei immer mit einem gewissen Risiko planen, denn Auf- und Abstiege sind nicht immer plan- und vorhersehbar. Viele externe Faktoren spielen in den Saisonverlauf hinein: Von der dreckig erkämpften Siegesserie bis zur Verletzungsmisere. Herrschen deshalb in den oft semiprofessionell aufgestellten Klubs, in denen das Ehrenamt nach wie vor eine große und viel zu selten auch hinreichend gewürdigte Rolle spielt, Missmanagement oder die kalkulierte Strategie vor, dass am Ende schon ein Geldgeber einspringen wird, wenn die sportlich-finanzielle Rechnung nicht aufgeht? Teilweise sicherlich. Gleichzeitig gibt es strukturelle Voraussetzungen, etwa bei der Verteilung der Fernsehgelder gegenüber 1. und 2. Bundesliga, die für viele Klubs ein Überleben in der 3. Liga erschweren. Die Manager wissen: Wer den Kader nicht weiterentwickelt, gehört vielleicht in Kürze nicht mehr zu den Titelanwärtern, sondern zu den Kellerkindern der Liga. In der extrem ausgeglichenen dritten Liga sind die Übergänge zwischen der oberen und unteren Tabellenregion ohnehin fließend.

Wir sollten die Klubs daher aufgrund der finanziellen Schieflagen nicht nur anprangern, sondern gleichzeitig auch die richtigen strukturellen Fragen stellen: Nach der Finanzierung des Sports an der Schwelle vom Amateur- zum Profibereich.

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