Stindls Handtor: regelkonform, aber gefühlt falsch

Lars Stindls Tor mit dem Arm zum heutigen Gladbacher 1:0 in Ingolstadt war der Aufreger des Bundesliga-Sonntags. Sein Treffer war regelkonform, fühlte sich aber beim Betrachten nicht richtig an. Wer nun Stindl mangelndes Fairplay vorwirft, der liegt aber mal richtig daneben.

Folgendes ist passiert: Ecke Wendt, Matip verlängert auf den langen Pfosten, Stindl läuft ein und will – weil überrascht durch Matips Verlängerung – den Ball irgendwie mit der Brust Richtung Tor befördern. Die Kugel rutscht über seine Brust an seinen rechten Arm, mit dem er ins Tor trifft. Man sieht deutlich: keine Absicht, aber natürlich, wie es so schön heißt, Vergrößerung der Körperfläche, Bewegung mit dem Arm. Was nun? Die Schiedsrichter Experten „Collinas Erben“ haben die Lösung: „Anweisung des DFB: Prallt der Ball von anderem Körperteil an die Hand, liegt keine Absicht und damit keine Strafbarkeit vor.“ Genauso sieht es übrigens der kicker: Note 2 für Referee Christian Dingert.

Die Ingolstädter wollen sich verständlicherweise nicht mit der Tatsache anfreunden. „Klare Fehlentscheidung“, meinen Sportdirektor Linke und Trainer Walpurgis. Der Schiedsrichter hätte Stindl fragen sollen. Doch was wäre dabei rumgekommen? Stindls Torjubel zeigte schon, dass er ein mulmiges Gefühl hatte. Mit Sicherheit hätte er das Handspiel zugegeben. Dann hätte es Freistoß für Ingolstadt gegeben. Er hätte also zu einer Fehlentscheidung beigetragen.

Nun fordern einige ganz Schlaue: „Handspiel muss immer abgepfiffen werden!“ Doch das würde zu abstrusen Szenen führen. Bei Flanken in den gegnerischen Strafraum stünde dann nicht mehr im Vordergrund, den eigenen Mitspieler zu bedienen, sondern dem Verteidiger an die Hand zu schießen. Die derzeitige Handspielregel ist zwar schwammig, aber das ist gut so. Denn, wie Stindls Tor zeigt, gibt es nicht nur Schwarz und Weiß.

Dass nun ausgerechnet die Ingolstädter Stindl, der sich vor fünf Jahren übrigens einmal selbst wegen einer fehlenden gelben Karte angezeigt hatte, mangelndes Fairplay vorwerfen, ist kaum zu glauben. Als Gladbach-Fan hat man immer noch den Oscar-reifen Auftritt im Borussia-Park vor Augen, als die Schanzer sich zu einem 0:0 traten und schauspielerten.

Insofern hat sich Stindls Szene an einem recht passenden Ort zugetragen.

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