Timo Werner ist … doch auch nur ein Mensch!

Es erinnert an die niveauvollen Rufe bei Abstößen gegnerischer Torhüter in den 1990ern: Zu der Melodie von Belinda Carlisles „Heaven is a place on earth“ ist dieser Tage bei der Darts-Weltmeisterschaft in London und bei Party-Events in Deutschland ein kollektiv vorgetragenes Schmählied auf Offensivspieler Timo Werner von RasenBallsport Leipzig zu hören gewesen, der zuletzt wegen einer krassen Schwalbe im Spiel gegen den FC Schalke 04 auffiel.

Derzeit scheint Werner der Spott vieler Fußballfans zu treffen, die RB Leipzig ohnehin nicht mögen und mit dem jungen und erfolgreichen Angreifer nach dessen Flugeinlage in der Bundesliga eine willkommene Zielscheibe gefunden haben. Dabei ist diese Personalisierung des Hasses unnötig.

Der pfeilschnelle Timo Werner hat mit seiner Schwalbe gegen Schalke und seinem anschließenden Interview, in dem er die Szene schönredete, keine gute Figur abgegeben. Er hat sich im Gegenteil sogar unsportlich verhalten. Dennoch rechtfertigt dies weder einen Feldverweis noch eine nachträgliche Sperre. Erst recht aber taugt der Vorfall nicht zur personalisierten Abneigung gegenüber RB Leipzig.

Pfiffe gegenüber in Ungnade gefallenen Spielern kommen in Fußballstadien häufiger vor und mögen sicherlich auch teilweise ihre Berechtigung haben, Beleidigungen – zumal bei Veranstaltungen außerhalb des Fußballs – sind allerdings übertrieben. Fairplay auf dem Rasen einzufordern und zeitgleich ehrabschneidende Lieder zu singen: Das passt nicht zusammen.

Trotz allen Verständnisses dafür, dass man den „Verein“ RB Leipzig nicht mag, Timo Werners Schwalbe unfair findet und Emotionen zum Fußball gehören, so steht immer noch ein 20-jähriger Mensch auf dem Platz. Ein junger Mann mit Gefühlen, Empfindungen und dem Recht auf mindestens eine zweite Chance. In einer Zeit, in der Hasskommentare und verbale Verletzungen ohne Reflektion und Maß nach draußen gebrüllt werden, muss die Frage an die Gesellschaft erlaubt sein: Wollen wir so einen Umgang miteinander pflegen? Die Antwort sollte sich nicht nur auf Timo Werner beziehen. Den Menschen, der gerade in Leipzig Fußball spielt.

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