Osnabrück und Lotte: Zwischen Missgunst und Bewunderung

„Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung“. Dieser Satz von Wilhelm Busch lässt sich derzeit prima auf das Verhältnis der Anhänger und Sympathisanten des VfL Osnabrück gegenüber den Sportfreunden Lotte ummünzen.

Während der VfL Osnabrück in diesem Jahr nicht im DFB-Pokal vertreten ist, weil er im Landespokal scheiterte, haben es die Sportfreunde ins Achtelfinale geschafft. In der 3. Liga stehen beide Vereine im vorderen Tabellendrittel. Für den VfL ist die Situation in der Liga derzeit gut, für den Aufsteiger ist die Momentaufnahme in Liga und Pokal augenblicklich sensationell.

Der Kommentar eines Users unter einem Artikel der Neuen Osnabrücker über den völlig überraschenden Sieg Lottes im Pokal gegen Bayer 04 Leverkusen (nach Rückstand und in Unterzahl) war sachlich für fußballaffines Publikum in der Region wahrscheinlich zutreffend: „Daumen hoch! Das geilste Spiel, das man seit langer Zeit im Großraum Osnabrück gesehen hat!“

Diejenigen, die noch strikt in Landesgrenzen denken, zählen die kleine Gemeinde Lotte nicht zur Region Osnabrück – obwohl die Kommunen direkt nebeneinander liegen. Dem alteingesessenen Osnabrücker ist Quakenbrück gefühlt näher als das Tecklenburger Land.

Mit einem „Nein“ beantworten viele Osnabrück-Fans dieser Tage die Frage, ob Sie beim aktuellen DFB-Pokalspiel in der westfälischen Nachbargemeinde gewesen seien, übrigens nicht. „Nein, natürlich nicht“ oder „Nein, was soll ich da?“ sind die üblichen Antworten. So zumindest meine Stichprobe.

Provinzsportplatz, keine Fankultur, Dorfverein: Die begründeten oder unbegründeten Klischees über die Sportfreunde Lotte halten sich in Osnabrück hartnäckig. Früher war Lotte den Osnabrückern sportlich egal. Es gab bis auf Transfers kaum Berührungsprunkte. Mit dem Erfolg der Sportfreunde gewannen die Klischees erst an Relevanz.

Auch bei den Pokalspielen gegen Bremen und Leverkusen waren wieder viele Besucher aus Osnabrück im Stadion am Lotter Kreuz. In den Wohngebieten der Gemeinde fanden sich an diesen Tagen überwiegend Fahrzeuge mit Osnabrücker Kennzeichen. Viele Osnabrücker sind neugierig, was sich in Lotte entwickelt, wollen die Bundesligisten vor der eigenen Haustür sehen oder schauen sich halb begeistert, halb widerwillig die Pokalspiele an, weil ihr Herz eigentlich für einen anderen Verein schlägt. Das muss nicht unbedingt der VfL Osnabrück sein. Einige Zuschauer haben sich nach dem letzten Lotteraner Elfmeter am Dienstagabend gegen Leverkusen wohl beim Jubeln erwischt. Munkelt man zumindest.

Mal schauen, wie es im Februar 2017 aussieht. Dann kommt 1860 München nach Lotte. Übernachten wird die Mannschaft des Zweitligisten dann sicherlich in Osnabrück. Von da aus ist es schließlich nicht weit zum Spielort. In der Nachbarschaft.

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