Trainerwechsel an der Förde: Bringt ein neuer Coach Erfolg?

Ob ein Trainerwechsel Wirkung zeigt, kann man sicherlich erst nach zehn Spielen, einer Hinrunde oder einer ganzen Saison bewerten. Bei Holstein Kiel steht noch nicht einmal ein Nachfolger für den entlassenen Karsten Neitzel fest. Trotzdem bin ich skeptisch, dass der Wechsel richtig ist.

Nach vier Punkten aus vier Spielen hat Holstein Kiels neuer Sportchef Ralf Becker Trainer Karsten Neitzel entlassen. Nicht zuletzt das bittere 0:1 in Köln gegen eine durchaus schlagbare Fortuna stieß bei Fans und Verantwortlichen bitter auf. Seither coachen die Trainer von U 23 und U 19 die Drittligamannschaft der KSV Holstein übergangsweise.

War zuletzt alles schlecht? Wird es mit einem Trainerwechsel besser? Ich bin nicht überzeugt, dass der Trainerwechsel sinnvoll war, er hat mich zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison bitter überrascht.

Karsten Neitzel kam 2013 zu den Störchen, nachdem Aufstiegstrainer Thorsten Gutzeit aus Zeitgründen nicht parallel die erste Mannschaft betreuen und die Ausbildung zum Fußballlehrer machen wollte. Neitzel führte die Störche am letzten Spieltag seiner Prämierensaison mit einem Sieg beim SV Darmstadt 98 zum Klassenerhalt in der 3. Liga.

In der Spielzeit 2014/2015 erreichte Kiel trotz Fehlstarts nach einer langen Serie ohne Niederlage den Relegationsplatz und scheiterte denkbar knapp im Rückspiel beim TSV 1860.

Nach personellen Umbrüchen im Kader fand sich das Team in der vergangenen Saison im Mittelfeld wieder, war zwischenzeitlich aber auch Tabellenletzter. Dieses Abschneiden in Verbindung mit der gestiegenen Erwartungshaltung nach dem Erreichen der Relegation in der Vorsaison und einem zunehmenden Misstrauen in Teilen des Aufsichtsrates gegenüber Neitzel haben dem Trainer wohl nun das Amt gekostet. Das lässt Ralf Becker in seinen Interviews durchscheinen. Thematisiert wurde diese Entwicklung auch in der neuen Folge des Holsteiner Fan-Podcasts 1912.fm. Warum man dann nicht schon im Sommer reagiert hat und dem Nachfolger in Vorbereitung und Kaderplanung eingebunden hat, ist völlig unklar.

Natürlich: Neitzel hat sich mit seiner direkten und manchmal kauzigen Art nicht nur Freunde gemacht. Gleichzeitig wirkte er geerdet und kompetent nach außen und hatte, so zumindest ablesbar an den Reaktionen der geschockten Spieler nach der Entlassung, einen guten Draht zur Mannschaft.

Wer soll nun Neitzel folgen? Im Gespräch sind der Ex-Holsteiner André Breitenreiter sowie Mirko Slomka und Holger Stanislawski. Alle drei halte ich aufgrund ihrer Ambitionen (Ausnahme: Stanislawski) und Gehaltsvorstellungen für nicht realistisch. Holstein hat außerdem schlechte Erfahrungen mit vermeintlichen großen Trainer-Namen (Falko Götz) gemacht.

Als heißer Kandidat wird Becker-Spezi Tomislav Maric gehandelt, der in der Bundesliga für den VfL Wolfsburg kickte und beim VfB Stuttgart einst Co-Trainer war. Diskutiert wird außerdem über Maik Walpurgis und Ralf Loose. Walpurgis könnte von seinem aus einer starken Defensive überfallartig angelegten Spielsystem, welches speziell in Lotte zur Geltung kam, gut zu Holstein passen. Ebenso gilt dies für das von ihm favorisierte Pressing. Bei Loose habe ich in Münster kein nachhaltig erfolgreiches System erkannt.

Ich frage mich bei allen gehandelten Trainern: Passen diese Fußballlehrer besser zu Holstein als „Kalle“ Neitzel? Machen sie das Team nachhaltig besser als der Ex-Coach? Ich bleibe skeptisch. Nicht zuletzt, weil Neitzel wesentliche Konstante eines Teams im Umbruch war. Auch die Stelle des sportlichen Leiters war in den letzten Monaten von vielen Wechseln geprägt (Bornemann, Heskamp, Stöver, Becker). Der Claim „Kiel auf Kurs“ ist in seiner Glaubwürdigkeit gefährdet. Der neue Trainer muss sich hohen Erwartugen stellen. Mit seinem Erfolg steht und fällt auch die Zukunft von KSV-Geschäftsführer Becker.

 

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