Bremen: Neustart auf tönernen Füßen

Mit Thomas Eichin und Viktor Skripnik ging es bei Werder Bremen nicht mehr weiter. Sportlich und emotional lagen die beiden zu weit auseinander. So wurde Eichin freigestellt. Mit Frank Baumann folgte in diesem Sommer ein Manager mit Stallgeruch und Double-Sieger von 2004. Dieser Wechsel war zugleich ein Bekenntnis zum Coach.

Nach anfänglicher Skepsis, weil mit Baumann wieder ein Ex-Spieler an einer wichtigen Schnittstelle im Verein installiert wurde, kam im Werder-Kosmos leichte Euphorie auf: Der Neue nahm nach den finanziell gut entschädigten Abgängen (Vestergaard, Ujah) ordentlich Geld in die Hand und holte mit Max Kruse und Robert Bauer zwei Hoffnungsträger an die Weser. Zudem wurden neue Innenverteidiger verpflichtet.

Kruse verletzte sich jedoch gleich im ersten Punktspiel und fällt viele Wochen aus. Der Pflichtspielauftakt selbst wurde zum Desaster. Wieder blamierte sich Werder bei einem Drittligisten. Und zwar rundum. Nicht nur war das Ergebnis gegen den amtierenden Meister der Regionalliga West mit 1:2 verdient, Werder gönnte sich auch drei Tätlichkeiten (Bartels, Fritz, Moisander) und Würfe aus dem eigenen Fanblock mit Gegenständen auf die Spieler mit der Raute auf der Brust. Ein umfassend peinlicher Nachmittag am Lotter Kreuz. Damit war aber zugleich die Trainer-Frage wieder in aller Munde. Der Vorwurf: Der Trainer entwickle die Mannschaft nicht weiter, es sei kein Konzept zu sehen. Zudem wirke Skripnik nach wie vor rat- und teilnahmslos.

Zugegeben: Aktiv-Coaching in Klopp-Manier brauchen weder ich noch Werder. Bei der Weiterentwicklung der Mannschaft und dem Anspruch, jeden Spieler besser zu machen, treffen die Kritiker indes einen wunden Punkt. Nur lässt sich dieser nicht nach einem Pokalspiel bewerten, auch wenn dies hochpeinlich war und die letzten Spielzeiten zu einem Grundrauschen der Unmut führten. Die vielen Bremer Neuzugängen müssen die Chance haben, anzukommen. Auch wenn die Halbwertszeit für die Eingewöhnung im Profifußball radikal kurz ist. Mit einer gewissen Gelassenheit ist Werder immer besser gefahren als mit Schnellschüssen. Trotzdem ist Wachsamkeit gefragt.

Die Trainerdiskussion wird nach der erwartbaren Pleite zum Bundesliga-Auftakt in München an Fahrt gewinnen. Spätestens beim ersten Heimspiel gegen den FC Augsburg muss ein Dreier her – sonst steht Skripnik vor dem Aus – und die Rochade von Eichin zu Baumann zur Disposition.

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