Sicheres Stadionerlebnis: Eine neue Dimension?

Während sonst in der Öffentlichkeit wiederholt die Frage aufgeworfen wurde, ob aufgrund eines kleinen Anteils an gewaltgeneigten Fußballfans der Stadionbesuch noch sicher sei und man noch als Familie ein Bundesligaspiel besuchen könne, stellte sich die Frage der letzten Partie der Fußballnationalmannschaft im Jahr 2015 mal ganz anders: Nicht Gewalt von Fans, sondern Anschlagsziele von Terroristen standen im Mittelpunkt der Diskussion.

Nach den Attentaten in Paris und der Absage des Länderspiels gegen die Niederlade in Hannover infolge einer Terrorwarnung, die in einer der nebulösesten Pressekonferenzen des Jahres abstrakt und eher beunruhigend als erhellend dargestellt wurde, stand sogar eine Generalabsage der folgenden Bundesligaspieltage im Raum.
Nachdem das Freitagspiel nach der Länderspielabsage von Hannover, die Partie von Dortmunds Borussen beim HSV, durchgeführt wurde, das Stadion gut besucht war und es anscheinend weder Terrorabsichten noch feige Trittbrettfahrer gab, beruhigte sich die aufgeregte Stimmungslage. Während nach Paris und Hannover vor dem Besuch von Massenveranstaltungen indirekt gewarnt und der trotzige Besuch entsprechender Veranstaltung als Symbol für die westliche Kultur geadelt wurde, ist der Stadionbesuch nun wieder ein gefühlt normaler Vorgang. Angststarre ist dem Alltag gewichen.

Sicherheit und Freiheit sind aber immer relativ. Nach dem nächsten Vorfall, von dem wir alle nicht einschätzen können, wie wahrscheinlich er ist, kommt die Warnung vor dem Stadionbesuch sicherlich subtil wieder hoch: Egal ob in den Zeitungen, Social Media-Diskussionen oder als Zwiespalt in uns selbst, wo Gewohnheit, Freihetsgefühl und Wahrscheinlichkeitsrechnung regelmäßig Angst und mulmige Gefühle besiegen.

Eines bleibt uns Fußballfans dauerhaft erhalten: Eine neue Sicherheitsdiskussion. Nicht Fans der Polizeikategorien B und C stehen im Fokus dieser Maßnahmen, sondern potentielle Attentäter. Von personalisierten Tickets und exzessiveren Sicherheitskontrollen wären aber alle Fans betroffen. Gegen gründlichere Kontrollen an den Stadiontoren ist dabei sicherlich nichts zusagen. Etwas längere Wartezeiten nimmt ein Großteil der Fußballfans sicherlich klaglos und pragmatisch hin. Probleme wären eher zusätzliche technische Maßnahmen, die Kontrollen wie an Flughäfen erahnen lassen, und ein Racial Profiling, welches Stadionbesuchern mit arabischen Wurzeln die eine oder andere unangenehme Situation beim Einlass in die Arenen bringen wird, wo das Vorurteil am Ende der Unschuldsvermutung den Rang abläuft.

Die Vereine werden jetzt eine neue Diskussion über die Qualifikation und Zuverlässigkeit ihrer Ordnungsdienste bekommen. Dabei war dieser Vorstoß schon 2012 im Rahmen der Sicherheitsbeschlüsse (12:12) vorgesehen. Damals stand aber eine andere Gruppe im Fokus: Der kleinen Minderheit gewalttätiger Fans und Gelegenheitspyromanen sollte der Zugang zum Stadion mit unerlaubten Gegenständen erschwert werden. Mit Maßnahmen, wie der derzeit von den Innenministern vorgeschlagenen Reduzierung von Gästekartenkontingenten, würden jedoch alle Fans benachteiligt werden und nicht nur die kleine Minderheit der gewaltgeneigten bzw. gewaltsuchenden Fans.

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Ein Kommentar zu Sicheres Stadionerlebnis: Eine neue Dimension?

  1. Verabredungen in der Hooliganszene sind jetzt wahrlich nichts neues; die gab es auch schon in den 80ern. Und auch jedes Jahr gab es eine Handvoll Situationen, die eskaliert sind und medienwirksam portratiert wurden.

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