3. Liga: Aufstieg und Leuchtspurmunition

Mit Erfurts Einbruch von Platz zwei ins tiefe Mittelmaß der 3. Liga und Kiels langer Serie ohne Niederlage zwischen Dezember 2014 und Mai 2015 haben nur wenige Fußballfans und wirkliche oder selbsternannte Experten gerechnet. Ich nicht. Die sicheren Aufsteiger Bielefeld und Duisburg konnte man schon lange auf dem Zettel haben, bevor sich beide souverän für die 2. Liga qualifizierten. Duisburg hatte ich im Februar den dritten Platz zugetraut, nun hat der MSV am vorletzten Spieltag den direkten Aufstieg klargemacht. Bielefeld wird vielfach mit dem langen Durchhalten und herausragender Stimmung im DFB-Pokal verbunden, der finanziell nachhaltig wichtigere Erfolg wird der Aufstieg zurück in die 2. Bundesliga sein. Spielerich überzeugend war er allemal.

Während der MSV und der DSC schon für die zweite Liga planen können, muss der sichere Tabellendritte noch bangen: Holstein Kiel hat in zwei Relegationsspielen Ende Mai und Anfang Juni die historische Chance, nach rund 40 Jahren wieder in die zweite Liga aufzusteigen. Gegner in der Relegation könnten Fürth, Frankfurts FSV, 1860, St. Pauli, Aue oder so der DFB will, auch Aalen sein, die derzeit noch rechtlich gegen einen Punktabzug vorgehen.

Die beste Defensive der dritten Liga kam am letzten Samstag ordentlich ins Schlingern. Eine halbe Stunde lang konnte sich die KSV Holstein dem Dauerdruck des Meidericher Spielverein kaum erwehren und kam verdient mit 1:3 unter die Räder. Gerade mit scharfen Hereingaben in den Strafraum und der körperlichen Präsenz eines Kingsley Onuegbu hatten die Störche Probleme. Da konnte auch die frühe Führung durch den spielerisch überragenden Maik Kegel wenig dran ändern. Ohne mehr defensive Stabilität in der gesamten Viererkette und mehr Durchschlagskraft in der ersten Reihe wird der Traum von Liga zwei wohl nicht wahr werden – egal, wer in der Relegation wartet.

Noch erschreckender als die Kieler Defensivnachlässigkeiten war das Auftreten einer Minderheit von MSV-Fans, die am Samstag vor dem Schlusspfiff den Innenraum betraten. Das an sich ist gar nicht so wild, weil das Spiel nicht gestört wurde. Stören kann man sich jedoch an Remplern und Beleidigungen gegen Kieler Spieler nach dem Schlusspfiff ebenso wie über die Belagerung des Gästeblocks, welche nur durch Ordner- und Polizeipräsenz nicht eskalierte. Trauriger Höhepunkt war das mehrmalige Abfeuern von Leuchtspurmunition in den Kieler Block. Ein Rollstuhlfahrer wurde fast getroffen, das zweite Geschoss schlug im oberen Bereich des Unterranges und damit weniger Meter neben mir ein, Nummer drei verletzte eine Polizistin schwer an Kopf und Hals. Den Opfern kann man nur gute Besserung wünschen.

Den Verursachern und ihren argumentativen Unterstützern kann man nur klar sagen: Egal, wie man zu Pyrotechnik steht: Das Bewerfen oder Beschießen anderer Menschen mit Böllern und Leuchtspurmunition geht überhaupt nicht. Das hat nichts mehr mit dem Anfeuern der eigenen Mannschaft zu tun, sondern ist vielmehr die Inkaufnahme schwerer Verletzungen anderer Fußballfans, von Ordnungskräften und Polizisten. Das alles sind keine anonymen Feinde, sondern Menschen mit Gefühlen, mit Familien und dem Recht auf körperliche Unversehrtheit. Dieses Grundrecht, zumal bei Kindern, Frauen oder Rollstuhlfahrern, muss unangetastet bleiben. Beim Fußball allemal. Und zur Erinnerung: Duisburg hat weder den Aufstieg verpasst, noch ist das Team abgestiegen. Frust als dürftiges Argument fällt hier also auch aus. Es kann sich also nur um ausgeprägten Schwachsinn handeln. Die dritte Liga sollte für andere Schlagzeilen stehen als Schwerverletzte und Angst. Mit der dritten Liga verbinde ich Emotionen, stimmgsvolle Fanblöcke, vielversprechende Talente, ehemalige Erst- und Zweitligaspieler auf der Zielgeraden ihrer Kariere, weitgehend guten Fußball und faire Preise für die Zuschauer. Das soll auch so bleiben.

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