Der Fall Selke

Die Tatsache, dass sich Verantwortliche bei Werder Bremen gerade darüber Gedanken machen müssen, wie sie ihren Spieler Davie Selke schützen können, nur weil dieser zu einem anderen Verein wechselt, ist für mich unverständlich.

Spieler wechseln alle naselang den Verein. Warum auch nicht, wenn das für sie aus sportlicher Perspektive, persönlichen Gründen oder finanziellen Aspekten Sinn macht? Vielleicht sind die Umstände im abgebenden Verein solche, die einen solchen Verkauf bedingen – lieber einen Spieler abgeben und sich dafür in der Breite verstärken, vielleicht gibt es im Nachwuchsbereich wen, der nachrückt.

Im aktuellen Fall passen davon relativ viele Gründe, denke ich. Aus sportlicher Perspektive wird Selke in seinem Alter in der 2. Liga nicht verheizt oder verkauft er sich unter Wert. Er erhält die Möglichkeit, sich zu stabilisieren und soweit zu reifen, dass er in 1 1/2 Jahren eine komplette Saison in der 1. Liga durchspielen kann, was bei allem Talent und bei aller Anlage aktuell noch nicht zu gehen scheint. Abgesehen von möglichen Absteigern, die sich in der 2. Liga erst einmal neu beweisen müssen, ist RB Leipzig sicher der ambitionierteste „Verein“, der den Aufstieg um jeden Preis packen möchte. Ansonsten kann ich mir nicht erklären, wie man einen, aus meiner Sicht so fähigen Trainer wie Alexander Zorniger, mitten in der Saison den Laufpasst gibt. Dankbarerweise hat sich, wie so oft, gezeigt, dass ein Trainerwechsel meist unsinnig ist.

Persönliche Gründe heißen so, weil sie persönlich sind und können hier getrost übersprungen werden. Eine Anmerkung noch und das leitet zum nächsten Punkt, dem finanziellen Aspekt über.

Wie weit ist man mit seiner Persönlichkeit, mit seiner Erfahrung, wenn man gerade mal 20 Jahre alt ist und sein erstes Jahr Bundesligaluft geschnuppert hat?

Einen Vereinswechsel hat er bisher gemacht, vor gut zwei Jahren von Hoffenheim nach Bremen im Jugendbereich. Nun packt er in Bremen den Sprung in die 1. Mannschaft und ist, wie wohl jeder andere auch, Stolz wie Oskar auf seine Leistung – aber auch dankbar, dass da Leute am Werk sind, die ihn fördern. Wer würde in einer solchen Phase nicht sagen, dass der Verein, der einem das gerade ermöglicht hat, der beste ist und man am liebsten immer da bleiben will.

Jetzt geht es um seinen 2. Profivertrag. Ich gehe davon aus, dass bei dem Gehalt, das er jetzt bekommen wird, die Augen groß werden und er möglicherweise das Ideelle, das was auch wichtig ist, was man aber erst weiß, wenn man Rückschläge einstecken musste und Erfahrung hat, vergessen hat. Wer will es ihm verübeln?

Vielleicht hat er aber auch nur einen Berater, der ihm zum Wechsel geraten hat. Der nicht nur das Ideelle sieht, sondern auch jetzt schon für die Zeit nach dem Profisport Vorsorge trifft. Geld sollte dabei nicht ganz unwichtig sein. Vor allem, wer sagt denn, dass Selke bis 35 auf dem Niveau spielen kann?

Vielleicht – und das wäre nun der nächste Grund – hat der Verein Werder Bremen sich gesagt: Scheiß drauf, für das Geld müssen wir den loswerden. Völlig rational entschieden, weil es das Vernünftigste ist, egal ob die Fans enttäuscht sind oder auch nicht.

So oder so, ist es für mich verständlich und lässt sich leicht erklären. (Und ja, ich lehne den Verein, das Konzept, die Art und Weise und alles um RB ab! Ich ärgere mich auch immer noch, dass ich als Wahl-Berliner nicht an der Alten Försterei beim Spiel gegen RB war, wo auf kreative und eindrucksvolle weise Protest gegen das Projekt RB gezeigt wurde.)

Aber zurück zu Selke: Lasst den Jungen gefälligst in Ruhe. Und nun noch etwas. Wer damit nicht klar kommt, dass Spieler den eigenen Verein verlassen: Werdet Fan der Münchener Bayern, Real oder Barcelona oder so… Die haben die Mittel und die Perspektive, dass Spieler nicht aus finanziellen Gründen abhauen!

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