Aufstiegskampf: Wer geht hoch in Liga zwei?

Wie geil ist diese Spannung um den Aufstieg in der dritten Liga? Wer in der Bundesliga gähnt, der wird in Liga drei wieder munter. Binnen vier Tagen hatte ich kürzlich die Gelegenheit, zwei Topspiele der dritten Liga live zu verfolgen. Gepaart mit den Eindrücken aus der Liveübertragung der letzten Spieltage ergibt sich ein wenig überraschender Aufstiegstipp.

Das 4:0 der Arminen aus Bielefeld im Nachholspiel beim VfL Osnabrück war eine Demonstration: Hier eine lethargische Heimmannschaft, die noch mit einem Auge auf den Relegationsplatz schielte, dort eine abgezockte Gastmannschaft, die immer einen Tick wacher, schneller und torhungriger wirkte. Schon nach 15 Minuten war das Spiel entschieden, Bielefeld machte aus den ersten drei Chancen drei Tore. Ich traute meinen Augen kaum. Vielleicht hätte das Spiel offener sein können, wenn Bielefeld nicht gleich den ersten, blitzsauber vorgetragenen Konter in das Tor vor der Osnabrücker Ostkurve versenkt hätte. Solche Gedankenspiele helfen aber nicht. Im Endeffekt musste der VfL froh sein, dass Bielefeld nach der klaren Halbzeitführung von 3:0 einen Gang herunterschaltete. Sonst hätte die Partie, der mindestens 1.500 Gästefans beiwohnten, für die Niedersachsen noch deutlich schlimmer enden können. Auch wenn es in der dritten Liga schnell gehen kann: Die Arminia wird aufsteigen, der VfL weder Relegations- noch Pokalqualifikationsplatz schaffen. Insofern muss der VfL die Eintrittskarte für die erste Runde des DFB-Pokals über den Landespokal lösen. Hier wartet der VfB Oldenburg.

Der zweite Aufsteiger in die zweite Liga wird aus meiner Sicht Rot-Weiß Erfurt sein. Dass sich das Team mittlerweile auf die Aufstiegsränge vorgeschoben hat, überrascht mich nicht. Mit welcher körperlichen Präsenz und Kompromisslosigkeit das Team zu Werke geht, ist schon beeindruckend. Bestes Beispiel in den letzten Wochen war dafür der Heimsieg gegen den FC Energie Cottbus, der auch ein Wörtchen um den Aufstieg mitreden wird. Wenn Erfurt jedoch so weiter spielt, wird es schwer werden, sie zu schlagen. Die hohe individueller Klasse von Spielern wie Tyrala, Brandtstetter, Möhwald oder Kammlott macht am Ende den Unterschied.

MS_KI_2Die Gelegenheit, Rot-Weiß Erfurt ein Bein zu stellen, bekommt schon am Freitag Holstein Kiel. Die Störche haben schon seit Anfang Dezember kein Spiel mehr verloren und zuletzt mit Dresden, Cottbus und Münster drei Spitzenteams besiegt. Kiel hat mit 18 Gegentreffern die beste Defensive der Liga.

Der Anteil von Keeper Kenneth Kronholm an diesem Umstand zeigte sich einmal mehr beim Gastspiel am vergangenen Wochenende in Münster, wo der ehemalige Saarbrücker Holstein lange im Spiel hielt. Nach der ersten Druckphase der Münsteraner schockte Kiel die Preußen und drehte das Spiel vor der Pause von einem 0:1 zu einem 2:1 für die Gäste. In Halbzeit zwei schaukelte die Holstein-Elf die Partie recht souverän über die Zeit. Münster hielt sich lange mit Zweikämpfen und dem SchMS_KI_1iedsrichter auf und kam, so meine Beobachtung, dadurch selbst aus dem Spielrhythmus. Dabei war das Spiel keineswegs überhart oder unfair. Clever und nunmehr lange ungeschlagen agierten die Kieler, am Ende werden sie sich im Aufstiegskampf aber als etwas zu grün hinter den Ohren erweisen. Das gilt, obwohl die Elf mit Kapitän Kazior ein ausgesprochenes Schlitzohr in seinen Reihen weiß.

Münster ist zwar ein aggressiv auftretendes Team, den Adlerträgern fehlt es jedoch die Spielidee. Daher reicht es nicht für den Aufstieg.

Durch eine starke Hinrunde und die Verstärkung Martin Dausch vom 1. FC Union Berlin ist auch der MSV Duisburg in einer sehr guten Ausgangslage. Ob das bunt zusammengewürfelte Team jedoch trotz mentaler Stärke in der Hinrunde schon für den Aufstieg reif ist, daran habe ich Zweifel.

Die Stuttgarter Kickers und Dynamo Dresden haben auch noch ein Wort im Aufstiegskampf mitzureden, beiden messe ich aber nur Außenseiterchancen bei. Dresden kam gut aus den Startlöchern und begeisterte zu Saisonbeginn. Die Doppelbelastung mit dem Pokal, die Entlassung von Trainer Böger und das Geisterspiel gegen die starken Erfurter dürften die Dresdener jedoch am Ende vom direkten Wiederaufstieg abhalten.

Mein Fazit: So wie Tabelle derzeit auf Platz eins und zwei aussieht, wird sie auch bleiben. In die Relegation kommen Duisburg, Cottbus oder die Kickers.

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