Jubel über Jannik Vestergaard und die verschwiegenen Fakten

Werder Bremen muss sparen und steht weiter mitten im Abstiegskampf. Keine guten Voraussetzungen für den Klassenerhalt. Die Spieler Elia und Obraniak wurden nach England und in die Türkei verliehen. Werder hofft bei beiden, dass die Kaufoptionen gezogen werden. Das würde den für die aktuelle sportliche Situation viel zu teuren Spieleretat weiter entlasten. Werder macht also aus der Not eine Tugend, setzt auf junge Spieler wie Sternberg und den derzeit leider schwer verletzten Lorenzen, und nur ganz gezielt auf etwas teurere Transferns, wie den von Jannik Vestergaard von der TSG 1899 Hoffenheim. In der Rückrunde gewann Werder gleich das erste Spiel gegen Hertha BSC Berlin und man beobachtet ein Phänomen, wie man es sonst nur aus Köln kennt.

So war es schon vor dem ersten Spiel der Rückrunde der für Werder zuständige Sportredakteur bei Radio Bremen Vier, der Werder einen Durchmarsch in die Nähe der Europa League-Plätze voraussagte. Nach dem Sieg gegen die nur in der ersten Hälfte agile Hertha aus Berlin kursierte im Netz die Heimtabelle unter Skripnik, wo Werder auf Rang 1 im Vergleich zu den 17 Konkurrenten steht. Selektive Wahrnehmung hilft Werder aber nicht weiter. Es bleibt eine ganz üble Auswärtsschwäche zu konstatieren, die am Ende zur schweren Hypothek werden kann. Auch die errungenen Punkte, wie der 2:1-Sieg in Mainz oder das 3:3 in Leverkusen waren eher schmeichelhaft. Beide Spiele hätte Werder bereits in den ersten 20 Minuten verlieren können, wo man mehrere hundertprozentige Chancen der Gastgeber zuließ.

Die letzten Jahre in der Bundesliga haben gezeigt, dass am Ende der Verein die Klasse hält, der den längeren Atem hat. Wer sich nach einem guten Rückrundenstart sicher fühlte, wachte oft verkatert in der zweiten Liga auf. Daher ist Werder gut beraten, weiter an sich zu arbeiten und die Stabilität der letzten Heimspiele wieder im Weserstadion abzurufen und auch endlich mal auswärts anzubieten.

Neuzugang Jannik Vestergaard hat mich gegen Hertha mit seiner Präsenz, seinen Zweikampfwerten und seinem Offensivdrang überrascht. Eine Bilanz darüber, wie der Spieler eingeschlagen ist, kann man aber frühestens gegen Ende der Rückrunde und nach Spielen gegen stärkere Gegner ziehen. Für mich war der Neue auch nicht Mann des Spiels, obwohl es zum Storytelling der Leitmedien passt, einen neuen Spieler dazu zu berufen. Der lange verletzte und auch von mir nicht immer positiv bewertete Philipp Bargfrede machte im defensiven Mittelfeld eine herausragende Partie. Er war sich für keinen Weg zu schade, störte stets energisch die Berliner Offensivbemühungen und spielte einige gute, öffnende Pässe in der Bremer Vorwärtsbewegung. Obwohl er oft im Schatten von Stars wie Junuzovic oder di Santo steht, war Bargfrede für mich der Mann des Spiels. Auch ziemlich sicher wirkte übrigens Werder-Keeper Wolf – trotz oder wegen der Kurzzeitkonkurrenz aus Hoffenheim bzw. Wolfsburg im Rücken.

Dieser Beitrag wurde unter Bundesliga abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.