Profifußball nur für große Vereine? Ein Blick auf die Lizensierungsordnung.

Sportlich sieht es für den aktuellen Drittligisten RB Leipzig nach dem direkten Durchmarsch in die zweite Bundesliga aus. Darf der Verein jedoch aus rechtlichen Gründen weiter aufsteigen? Diese Frage stellte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig bereits am Rande des Fankongresses Anfang Januar 2014 in Berlin. Was ist der Hintergrund dieser Diskussion?

Es ging bei den Äußerungen Rettigs unter anderem um die Mitgliederbeteiligung des Klubs aus Leipzig. In §4, Absatz 9 der DFL-Statuten (Lizensierungsordnung) heißt es: „Für einen Verein gilt zusätzlich, dass er in seiner Satzung sicherstellt oder sich hierzu verpflichtet, dass die Mitgliederversammlung den Vorsitzenden und gegebenenfalls auch die übrigen Mitglieder des Vorstandes wählt, nachdem zuvor ein Wahlausschuss den Vorsitzenden bzw. die Mitglieder des Vorstandes vorgeschlagen hat, oder ein von der Mitgliederversammlung in seiner Mehrheit gewähltes Vereinsorgan den Vorsitzenden und auch gegebenenfalls die übrigen Mitglieder des Vorstandes bestellt.“ Über diese Mindestvoraussetzungen hinaus soll die Satzung den Rahmenbedingungen für die Statuten eines Lizenzvereins (Anhang III zur Lizensierungsordnung) entsprechen. An diese Grundsätze hält sich RB Leipzig. Anstoß der Kritik ist die begrenzte Zahl der Mitglieder beim Ostklub und seine mangelnde Offenheit für Neueintritte. RBL, die 2009 das Oberliga-Startrecht des SSV Markranstädt übernahmen, hat nach eigenen Angaben etwa 250 Mitglieder. Die Welt berichtete hingegen vor einem halben Jahr von nur neun Mitgliedern, allesamt Funktionäre des Getränkeherstellers aus der Alpenrepublik. Die Mitgliedschaft bei den Brausebullen kostet 800 Euro im Jahr zuzüglich einer Aufnahmegebühr von 100 Euro. Damit ist die Vereinsmitgliedschaft des Klubs aus der Messestadt ziemlich exklusiv gestaltet. In den Statuten der DFL ist jedoch nur die Art der Beteiligung der Mitglieder geregelt, nicht der quantitative Umfang der Mitgliedschaft oder die Beitragshöhe.

Rechtlich problematischer dürften die Übertragung des Startrechts, die gewollte Verwechselbarkeit von Vereins- und Firmenlogo sowie die Vereinbarkeit der Sponsoringaktivitäten von RedBull mit der 50+1-Regel gewesen sein. Das Profiteam der Leipziger ist offiziell Teil des eingetragenen Vereins und in diesem Konstrukt nicht in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert. Ob diese Konstellation so vertretbar und im Sinne des Fußballs ist, hätten sächsischer Landesverband, Nordostdeutscher Fußballverband und Deutscher Fußballbund schon früher klären und ihre Statuten entsprechend anpassen müssen. Nun steht dem RedBull-Projekt, in vielen Sportarten Vereine wie Rennställe an die Spitze der jeweiligen Disziplin zu hieven, wohl rechtlich nichts mehr in Wege. Das einmal erteilte grüne Licht hat den Weg von RBL in die Bundesliga geebnet- vorerst aber nur in die zweite.

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