13 Spiele ohne Sieg: Wann wird es für einen Trainer eng?

Gut in die Drittligasaison gestartet und jetzt nur noch einen Punkt vor den Abstiegsplätzen: Holstein Kiel war als Aufsteiger aus der Regionalliga Nord überraschend solide aus dem Startlöchern der dritten Bundesliga gekommen.  Ein Punkt in Rostock, mehrere Heimsiege und ein 3:0 in Münster brachten die Störche in Reichweite der Aufstiegsplätze. Der eine oder andere Holstein-Fan träumte insgeheim schon vom Durchmarsch in die 2. Liga – ein alter Traum der Kieler.

Mittlerweile befinden sich Holstein und die Stimmung der Fans in Keller. Durchgereicht bis auf Platz 15 blickt die Mannschaft von der Förde auf die letzten beiden Spiele im Jahr 2013: Erst geht es zum direkten Konkurrenten nach Saarbrücken, dann empfängt die KSV Holstein die aufstrebende Hansa aus Rostock. Während beim Tabellenvorletzten aus dem Saarland ein Sieg her muss, wäre ein Punkt im Ostseeduell in der aktuellen Situation schon als Erfolg zu werten.

Holstein spielt dabei in der Regel keinen schlechten Fußball, ist sogar häufig das aktivere und auffälligere Team. Seit einigen Wochen klemmt es jedoch im Offensivspiel. Nicht nur an Toren, sondern auch an Torchancen und Überzahlsituationen vor des Gegners Tor mangelt es. Das Selbstvertrauen ist nach 13 Spielen ohne Sieg jedenfalls unterentwickelt- um es vorsichtig auszudrücken. Hinzu kommen verletzte Leistungsträger wie Riedmüller oder Lindner.

Vom frühen Holstein-Pressing lassen sich die Gegner in der dritten Liga immer weniger beeindrucken. Mannschaften wie Heidenheim sind einfach abgeklärter und willensstärker. Da reicht, wie beim Holstein-Heimspiel gegen den FCH, ein Distanzschuss zum Sieg. Bei der KSV hingegen fehlt vielfach der Mut zum Abschluss aus der zweiten Reihe, das Tor schien in vielen Situationen wie vernagelt. Ängstliche Querpässe in des Gegners Hälfte brachten die Störche-Anhänger das eine oder andere mal zur Verzweiflung.

Was kann ein Trainer an so einer Situation ändern? Anderen Spielern eine Chance geben? Hat der Trainer getan. Das Spielsystem anpassen? Hat der Trainer getan. Die Truppe mental zu stärken versuchen? Das versucht Karsten Neitzel sicherlich permanent. Was also tun, um den vom Holstein-Trainer vielbeschworenen „Bock“ umzustoßen? Würde ein Tor als Befreiung wirken? Es hat in Dortmund zumindest nicht zum Durchbrechen der Negativserie geführt. Vielleicht kommt mit dem ersten Dreier nach der langen Durststrecke die Trendwende? Das Potential, welches der Mannschaft im eigenen Fanforum wiederholt abgesprochen wird, hat die Truppe. Nicht nur das Potential zum Klassenerhalt, sondern mindestens das für das obere Ligamittelfeld. Die Frage ist nur, wie lange die Verantwortlichen der KSV Holstein sich die Negativserie noch mit ansehen. 2006/2007 stieg man mit dem Rekordwert von 48 Punkten aufgrund der um fünf Tore schlechteren Tordifferenz gegenüber Borussia Dortmund II aus der dritten Liga, damals der Regionalliga, ab. 2009/2010 fehlen sogar sieben Zähler zum Klassenerhalt. Man erreichte damals 39 Punkte. Ein solches Szenario will man in Kiel unter allen Umständen vermeiden.

Im Gegensatz zur Vergangenheit halten die KSV-Verantwortlichen am aktuellen Coach erstaunlich lange fest. Der Trainerstuhl an der Förde galt schließlich lange als Schleudersitz. Meine Prognose: Schaft Holstein bis Weihnachten keinen Dreier, ist Karsten Neitzel nicht mehr zu halten. Das wäre schade, weil Neitzel ein sehr strategischer denkender, taktisch versierter, motivierender Trainer ist. Mit Michael Krüger, Peter Vollmann, Christian Wück oder Stefan Böger mussten aber schon einige versierte Trainer ihren Hut nehmen, von denen man sich mehr erwartet hatte. Es ist wie bei der aktuellen Mannschaft: Das Potential war auch bei den meisten Kieler Trainern der letzten Jahre eindeutig vorhanden. Es geht nur um die Frage, wie man es abruft. Dafür kann man Neitzel und Holstein-Mannschaft nur die Daumen drücken. Andernfalls droht Schleswig-Holstein wieder zur Leistungsfußball-Diaspora zu verkommen. Das wäre schade.

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