Ende der Dominanz? Von Sportjournalisten in Konkurrenz

In vielen gesellschaftlichen Bereichen kennen wir den Unterschied zwischen den Meinungen und Empfindungen unserer Mitmenschen und uns selbst auf der einen und dem, was wir in TV, Radio, Print- und Onlinemedien auf anderen Seite hören und sehen.

Es ist der vielzitierte Gegensatz von öffentlicher und veröffentlichter Meinung.

Die Medien haben in unserem Land einen Status erreicht, den die Mütter und Väter des Grundgesetzes kaum erahnen konnten. Während bis heute zum Beispiel im Grundgesetz steht, dass die Parteien bei der politischen Willensbildung mitwirken, so ist von den Medien keine Rede. Gleichwohl sind es in erster Linie die Medien, die Themen setzen, Aussagen zuspitzen und politische Entscheidungen beeinflussen. Die schreibende und moderierende Zunft hat enorme Möglichkeiten. Ebenso wie Politiker der alten Bonner Republik haben aber auch Journalisten im Hier und Jetzt Probleme damit, wenn Zeiten sich ändern und die eigene Vormachtstellung bedroht ist.

Ganz besonders trifft die Bewahrermentalität auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu. Mit Zwangsgebühren finanzierter Rundfunk garniert die eigentliche Grundversorgung mit allerlei kostspieligem Beiwerk. Auch als großer Fußballfan muss die Frage erlaubt sein, ob es uns Gebührenzahler wirklich 50 Millionen Euro Wert sein sollte, die Champions League im ZDF statt auf Sat.1 zu gucken. Eigentlich eine rhetorische Frage, denn diese Entscheidung wird ohnehin nicht demokratisch gefällt. Nur anhand der Quoten kann die grundsätzliche Antwort auf die Frage, was öffentlicher Rundfunkauftrag ist, sicherlich nicht beantwortet werden.

Wie sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit Argusaugen ansieht, dass auch RTL, SAT1, KABEL1, Eurosport oder Sport 1 und andere Sender Fußball zeigen und besprechen können, ohne dass der Sendeauftrag überfüllt bleibt, so sehen einige Journalisten die Konkurrenz bei Privatsendern und im
Internet als Gefährdung oder Nestbeschmutzung an.

Ein gutes Beispiel ist WDR-Mann Claus Lufen. Lufen ist ein sympathischer und sachlicher Sportreporter. Gleichwohl beschwerte er sich nach dem
Champions League-Spiel Bayern-Pilsen beim Kollegen Markus Lanz über die Quereinsteiger unter den Sportjournalisten. Dem berechtigten Einwand von Lanz, es gäbe auch Fußballlkenner ohne journalistisches Studium oder Volontariat, entgegnet Lufen, man müsse sein Handwerk schon gelernt haben.

Ich habe dabei sofort an das Kanzler(kandidaten-)TV-Duell Merkel/Steinbrück denken müssen. Stefan Raab bekam dabei als moderierender Polit-Talk-Neuling eines Privatsenders gute Kritiken von einigen Kollegen und in der Netzgemeinde. Langjährige Politikjournalisten fühlten sich jedoch anscheinend in Status, Ehre und Eitelkeit gekränkt. Ausgerechnet die Süddeutsche Zeitung, die sonst angeblich für Chancengleichheit und politische Einbeziehung aller gesellschaftlichen Gruppen steht, sekundierte den Raab-Kritikern. So ätzte der Chefredakteur der SZ am Tag des TV-Duells sinngemäß fragend, wohin das Niveau den führen solle, wenn jetzt schon ein Metzgersohn ein Kanzler-Duell mitmoderieren würde. Das klang mehr nach beleidigter Leberwurst einer selbsternannten journalistischen (Bildungs-)Elite, denn nach Offenheit gegenüber medialer Konkurrenz, gesellschaftlichen Aufsteigern und der Tatsache, dass ein Moderator Raab sicherlich auch Zuschauer vor die Mattscheiben gelockt hat, die sich das TV-Duell sonst nicht angesehen hätten.

Sportschau-Mann Claus Lufen scheint sich in seiner beruflichen Ehre durch Quereinsteiger im Sport ähnlich verletzt zu fühlen, wie die Politikjournalisten durch Stefan Raab.

Dabei belebt Wettbewerb das Geschäft. Es bietet Meinungsvielfalt und Auswahl für den Hörer, Leser oder Zuschauer. Das gilt im
Sport wie in der Politik.

Es kommt dabei auf die Qualität der Beiträge an, nicht auf den Lebensweg der Menschen, die diese produzieren. Das gilt für Moderatoren, Redakteure oder einfache Blogger wie uns bei ausgekontert.de.

Natürlich ist eine gute fachliche Ausbildung viel Wert. Gerade vor der Kamera oder dem Mikro spielen aber auch Fachwissen, Spontanität, Charme, Stimme und Witz eine Rolle. Diese Faktoren sind nur bedingt erlernbar. Ein guter Moderator aber ist nicht primär an der Ausbildung festzumachen. Er ist gut, wenn er die Menschen durch die Art seiner Sportvermittlung begeistern kann.

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Ein Kommentar zu Ende der Dominanz? Von Sportjournalisten in Konkurrenz

  1. Dennis sagt:

    Ich warte auch schon die ganze Zeit auf einen Anruf vom ZDF, RTL, Trierer Volksboten, wem auch immer: Hauptsache, die holen mich als Quereinsteiger zur WM 🙂

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