Schon wieder Relegation: Langweilig wird’s mit Osnabrück nie

Keine Profimannschaft in Deutschland schafft es auch nur annähernd, ihre Fans so lange auf die Folter zu spannen wie der VfL Osnabrück. Seit 1999 wissen die Niedersachsen fast immer erst im allerletzten Moment, in welcher Liga sie in der kommenden Saison spielen. Aufstiegsrunden, Relegation, knappe Abstiege, kuriose Trainerentlassungen, kurz vor dem finanziellen Kollaps – beim VfL kommt nie Langeweile auf. ausgekontert fasst die vergangenen 14 Jahre im Zeitraffer zusammen.

1998/99
Vorletzter Spieltag der damals drittklassigen Regionalliga-Nord: Osnabrück fährt als Tabellenführer zum direkten Konkurrenten Lübeck, verliert durch einen krassen Torwartfehler Uwe Brunns mit 0:1 und fährt als Zweiter wieder zurück. Meister wird der VfL dennoch, weil Holstein Kiel am letzten Spieltag überraschend Schützenhilfe leistet und den Rivalen Lübeck schlägt. Die Aufstiegsspiele gegen den Chemnitzer FC verliert der VfL (1:0/0:2), und auch bei der zweiten Chance scheitert er knapp. In einer Aufstiegsrunde mit Trier und Offenbach jubeln am Ende die Hessen, die in Osnabrück nach Halbzeitrückstand dank eines Treffers in der 90. Minute mit 2:1 gewinnen.

1999/2000
Wieder Regionalligameister, wieder Aufstiegsspiele. Diesmal gegen Union Berlin. Beide Partien enden 1:1. Nach zwei Platzverweisen in der Verlängerung kommt es zu einem epischen Elfmeterschießen. Am Ende müssen beide Torhüter ran. Uwe Brunn, der zu Schiri Jürgen Aust sagt „Warum soll ich schießen? Ich bin Torhüter, kein Fußballer“, trifft und pariert gegen Unions Keeper Kay Wehner. 9:8 nach Elfmetern, der VfL steigt auf.

2000/2001
Trotz einer katastrophalen Hinrunde (10 Punkte) unter dem neuen Trainer Michael Lorkowski darf Osnabrück am letzten Spieltag noch auf den Klassenerhalt hoffen. Unter Jürgen Gelsdorf gibt es eine furiose Aufholjagd, doch die sechstbeste Rückrundenmannschaft muss am Ende mit 37 Punkten runter. Das 2:2 in Duisburg am 34. Spieltag und der gleichzeitige Bielefelder Sieg gegen Saarbrücken waren der Grund dafür.

2002/2003
Ein Heimsieg gegen Kiel und Osnabrück ist nach zwei Jahren wieder zweitklassig. Bis zur 79. Minute und einem Platzregen dauert es, ehe Christian Claaßen die Fans erlöst. Sidney erhöht in der vorletzten Minute auf 2:0. Nach Platzregen nun Platzsturm!

2003/2004
Aufstiegstrainer Gelsdorf geht aus privaten Gründen (Spekulationen en masse), mit Frank Pagelsdorf soll der Glanz kommen. Es geht in die Hose. Abstieg als Tabellenletzter!

2004/2005
Pele Wollitz kommt. Doch der Trainer verpasst in seiner ersten Saison den Wiederaufstieg am letzten Spieltag, weil Paderborn bei Wolfsburg II mit 4:0 gewinnt.

2006/2007
Drei Spieltage vor Schluss liegen die Niedersachsen sechs Punkte hinter dem 1. FC Magdeburg. Doch dann kommt die Wende: Aus einem 0:2 gegen Holstein Kiel in der 76. Minute wird noch ein 3:2. Magdeburg patzt beim 1:1 gegen Leverkusen II. Am vorletzten Spieltag ein 4:0 bei Gladbach II, Magdeburg verliert mit 2:4 in Emden. Und am letzten Spieltag lässt sich der bereits als Aufsteiger feststehende FC St. Pauli nicht hängen und ringt Magdeburg ein 1:1 ab. Da der VfL trotz Rückstands bis zur 80. Minute noch gegen Ahlen gewinnt (Tore: Thomas Cichon und Thomas Reichenberger), steigt Wollitz in seinem dritten Anlauf auf.

2007/2008
Mit einem 3:0 überholt der VfL seinen Gegner am letzten Spieltag, die Offenbacher Kickers, und bleibt drin.

2008/2009
Mit einem Sieg in Duisburg hätte sich der VfL gerettet, doch er verliert mit 1:4 und muss in die Relegation. Da verliert er gegen Paderborn zweimal mit 0:1 und steigt ab. Später wird bekannt, dass die Osnabrücker Spieler Thomas Cichon und Marcel Schuon in den Wettskandal verwickelt sind und Spiele verschoben haben.

2009/2010
Im Fernduell mit Ingolstadt hat Osnabrück am letzten Spieltag die besseren Nerven, gewinnt mit 1:0 in Burghausen und steigt direkt wieder auf.

2010/2011
Doch es geht auch direkt wieder runter. Am letzten Spieltag sichern die Niedersachsen mit dem 1:0 in Ingolstadt den Relegationsrang, ziehen dann aber gegen Dresden den Kürzeren. Nach dem 1:1 im Hinspiel verlieren die Osnabrücker zu Hause mit 1:3 nach Verlängerung.

2012/2013
Die Ereignisse der vergangenen Tage dürften bekannt sein. Osnabrück verliert das entscheidende Spiel um den direkten Aufstieg in Bielefeld mit 0:1 und steht danach überraschend ohne Trainer da. Pele Wollitz hatte sich mit dem Präsidium überworfen und sich in einer Wutrede Luft gemacht. Daraufhin wurde er noch vor dem letzten Spieltag entlassen, an dem sich Lila-Weiß doch noch an Heidenheim vorbei auf den Relegationsrang schiebt.

Damit ist Osnabrück Rekord-Relegationsteilnehmer (seit der Wiedereinführung). Wieder geht es gegen Dresden. Und eins ist sicher: Langweilig wird’s nicht.

Kleine Anmerkung zum Schluss: Ich hätte noch viel, viel weiter ausholen können und noch mehr Trainerwechsel und finanzielle Mängel schildern können. Aber das hätte dann wirklich den Rahmen gesprengt. Also, ohne Anspruch auf Vollständigkeit…

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