Europapokal: Die Bundesliga im Siegesrausch vorbei an Spanien und England

Die vergangenen beiden Europapokalspieltage gehen als die erfolgreichsten in der jüngeren Bundesligageschichte ein. Mit insgesamt zehn Siegen, vier Unentschieden und null Niederlagen legten die Bundesligaklubs gemeinsam eine beeindruckende Serie hin. Während Bayern, Dortmund, Schalke, Hannover und Leverkusen das Ticket für die KO-Runden (so gut wie) sicher haben, schafften es Gladbach und Stuttgart sich aus einer aussichtslos scheinenden Situation wieder reinzukämpfen. Beide haben das Weiterkommen wieder in der eigenen Hand. Der Siegeszug drückt sich auch ind er berühmt-berüchtigten Fünfjahreswertung aus: Hier steht die Bundesliga für diese Saison mit bislang 8,357 Punkten auf Platz 1 – noch vor Spanien (8,285) und England (8.000). ausgekontert fragt sich: Ist dies nur ein Strohfeuer oder doch der Aufgalopp für eine längerfristige Dominanz?

In den späten 70er und frühen 80er Jahren galt die Bundesliga als die stärkste Liga der Welt. Bayern siegte im Landesmeisterpokal in Serie und beim UEFA Cup erreichten 79/80 gleich drei deutsche Mannschaften das Halbfinale. Letztlich besiegte Eintracht Frankfurt im Finale Borussia Mönchengladbach. Spätestens mit dem Erstarken der Serie in den späten 80er Jahren war es jedoch vorbei mit dieser Herrlichkeit. Die besten deutschen Spieler gingen fortan zu Inter, Lazio, Juve, AS oder Hellas Verona. Talentierte Nachwuchsspieler der Republik orientierten sich an dem Credo: Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien. In der Bundesliga setzte eine Tristesse ein, die auch durch den WM-Sieg 1990 höchstens kurzfristig unterbrochen wurde. Es spielte ja auch kaum ein Weltmeister daheim.

Letztlich wurde diese Entwicklung durch die Erfindung des modernen Fußballs gestoppt. So nennt jedenfalls  die11 Freunde den TV-Recht Verkauf an Sat1 (RAN) und Premiere (heißt heute Sky, liebe Kinder) verantwortlich. Damit erhöhte sich schlagartig die TV-Präsenz des Fußballs. Der Sport wurde deutlich und nachhaltig beliebter. 1990/91 erreichte die Bundesliga einen Schnitt von 21.700 Zuschauern, 1993/94 waren es bereits 27.183, 99/2000 schauten im Durchschnitt 31.206 Zuschauer die Bundesligapartien, 2005/06 waren es erstmals über 40.000. 2011/12 kamen sensationelle 45.116 Besucher zu den Spielen.

Quelle: weltfussball.de

Aber was hat das alles jetzt mit den aktuellen Bundesligaerfolgen im Europapokal zu tun? Aus meiner Sicht eine ganze Menge. Zum einen ist der Zuschauerschnitt ein Gradmesser für die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs in den einzelnen Ländern. Diese wiederum ist sehr stark für Werbeeinkünfte  und Merchandisingeinnahmen verantwortlich. Kurzum: Je wichtiger der Sport ist, desto mehr Geld kriegen die Vereine. In Deutschland wird das unterstützt durch die schlichte Bevölkerungszahl und die gute gesamtwirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre. Außerdem beeinflusst die gesellschaftliche Relevanz des Sports auch die Quantität und damit am Ende auch Qualität des sportlichen Nachwuchses. Dies allerdings erst mit einer biologisch bedingten Verzögerung von ~15 Jahren. Dies erklärt auch, warum erst ab Mitte der 2000er die Zahl an wirklich hoffnungsvollen Nachwuchstalenten so stark gestiegen ist (zugegeben, das neue DFB-Nachwuchskonzept hat sicher auch seinen Teil dazu beigetragen). Wenn man dies alles zusammenfasst, kann man nur sagen: „The trend is our friend!“

Die aktuellen Erfolge sind also weit mehr als nur ein Strohfeuer. Sicher, Klubs wie Real und Barca haben immer noch einen enormen Vorsprung, den außer Bayern kaum ein Klub je aufholen wird. Aber in der Breite hat die Bundesliga schon heute zu Spanien und England aufgeschlossen. Wir können also guten Mutes sein, dass die international titellose Zeit bald endlich ein Ende findet.

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Ein Kommentar zu Europapokal: Die Bundesliga im Siegesrausch vorbei an Spanien und England

  1. Carsten sagt:

    Hi Dennis,

    sehr spannende Frage die ich mir auch immer wieder stelle. Wie nachhaltig ist der Erfolg nun?

    Meiner Meinung nach ist das dieses Jahr kein Zufall mehr. Haben die deutschen Klubs sich in der Vergangenheit mal zu einem Sieg hingehumpelt, so sind es jetzt teilweise überragende Spiele mit drückender Überlegenheit gegen die besten Mannschaften der Welt aus England und Spanien. Der Trend geht ganz eindeutig hin zum Pressing mit jungen Spielern- und da ist die Bundesliga mMn sowas wie der Vorreiter in Europa. Bin gespannt wie sich das in Zukunft weiter entwickelt.

    Übrigens, meinen Respekt für die Erfolge von Frankfurt in der Bundesliga! 😉

    Viele Grüße
    Carsten

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