Drei Punkte – leider gegen Irland

WM-Qualifikation in Dublin: Jogis Jungs mussten heute gegen Irland ran. Nach zähem Start lief dann doch alles nach Plan – mit 1:6 fiel das Ergebnis deutlich aus. Viele schwarzrotgoldene Zuschauer werden das Spiel aber mit heimlicher Enttäuschung verfolgt haben. Es war ja schließlich nicht irgendein Gegner, sondern – Irland!

Die Regeln der Zuneigung beim Fußballgucken sind einfach: Man mag England nicht – wegen Wembley und weil die in ihren Boulevardblättern immer schlecht montierte Pickelhaubenbilder von uns abdrucken. Italien auch nicht – weil die uns 2006 das Sommermärchen kaputt gemacht haben. Unter anderem. Und die Niederlande Holland sowieso nicht – wegen „in den Achtzigern“ oder weil man so viele lustige Wohnwagenwitze kennt, die man sonst gar nicht mehr erzählen könnte. Wenn einem eine dieser Nationen entgegen der gesellschaftlichen Konvention doch sympathisch sein sollte, behält man das lieber für sich. Zumindest, solange das Spiel in den Schlagzeilen ist.

Aber Irland! Irland ist ein Fall für sich. Viele Deutsche reisen gern nach Irland. In der Tradition von Heinrich Bölls „Irischem Tagebuch“ lieben sie die grünen Landschaften, die malerischen Küsten mit ihren schroffen Felsen und sogar das schlechte Wetter. Und sie kaufen Souvenirs mit Leprechauns, Schafen und Kleeblättern drauf. Irland ist ein durch und durch sympathisches Land – auch das ist gesellschaftliche Konvention. Und das ist auch der Grund dafür, dass sich viele Fußballgucker trauen, versonnen dreinzublicken und Sachen zu sagen wie: „Einen Punkt würde ich den Iren ja gönnen“, oder: „Ich hätte zur Feier des Tages gern ein Guinness!“, oder: „Wollen wir nicht auch mal nach Irland fahren?“ Auf eigentümliche Weise vermischen sich dabei das positive Irland-Bild und die Tatsache, dass unsere Freunde in Grün uns noch nie eine wirklich empfindliche Niederlage beigebracht haben. Ich muss zugeben: Auch ich kann mich davon nicht freisprechen.

Vielleicht das Sinnbild dieser Begegnung: Nach dem fünften Tor tanzten auf den Rängen deutsche Fans, die zum Schwarzrotgoldenen einen Wikingerhelm in den irischen Farben trugen. Deutschlands drei Punkte feiern und die Tatsache bedauern, dass Irland nach diesem Spiel zusätzlich zur ausbaufähigen Quali-Tabellenlage jetzt noch ein ziemlich mieses Torverhältnis hat – das muss sich nicht ausschließen. Der Einzige, der nach dem heutigen Abend vermutlich kein ganz so romantisches Irland-Feeling mehr hat, dürfte Marco Reus sein. Aber der hat sich ja mit zwei Toren getröstet und seine Stammplatz-Ambitionen unterstrichen.

Die entscheidenden Fakten des Abends kannte natürlich ZDF-Reporter Béla Réthy: „Irland ist die einzige Mannschaft, die bei der EM 2012 keinen einzigen Punkt geholt hat. – Neben Holland.“

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