Der „Fall Pezzoni“: Hier hilft nur noch das Strafgesetzbuch

Eigentlich wollte ich ja über Fußball schreiben. Die mauen Auftritte meines 1. FC Köln hätten zum Thema werden sollen, ebenso das Fehlen eines Stürmers Nr. 1 oder die Kapitänsbinde für Miso Brecko. Der Fußball ist in Köln aber leider wieder einmal in den Hintergrund gedrängt worden – von Vollpfosten, die genauso wenig „Fan“ sind, wie Tim Wiese Nationalkeeper. Diese geistigen Tiefflieger haben mich wütend gemacht und traurig. Ich schäme mich zum wiederholten Mal dafür, dass ein übles Ereignis mit meinem Verein in Verbindung gebracht wird. Die Geschehnisse rund um Kevin Pezzoni sind absolut intolerabel!

Ich war nie ein Freund von Pezzoni. Ich fand ihn fußballerisch zu limitiert. Nur über Kraft und Einsatz zu kommen, genügt nicht. Ein Fußballprofi sollte auch Schnelligkeit, Technik und im Idealfall auch noch ein wenig Spielwitz mitbringen. Pezzoni hatten von den letzten drei Eigenschaften keine. Er ist ein Spieler, an dessen Spielweise ich mich reiben und über den ich mich vortrefflich aufregen kann. Doch das gehört zum Fußball dazu, ein jeder Fan hat seine persönlichen Reizfiguren. Gäbe es sie nicht, wäre der Fußball ein ganzes Stück langweiliger.

Was aber defintiv nicht zum Fußball dazu gehört, sind üble persönliche Beleidigungen. Was nicht dazu gehört, sind wüste vulgäre Beschimpfungen. Und was am Allerwenigsten dazu gehört, sind primitive vorsintflutliche Gewaltandrohungen. Es kann nicht sein, dass Spieler panische Angst vor dem nächsten Fehlpass haben müssen, weil sie und ihre Partnerinnen dann nach dem Spiel wieder bedrängt werden, Zettel mit Drohungen hinter dem Scheibenwischer ihrer Autos finden und von vermummten Halb-Primaten zu Hause besucht werden!

So ungerne ich diese Begrifflichkeit verwende, in diesem Fall ist sie treffend: Im Fall Pezzoni ist eine Grenze überschritten worden. Erstmals haben es gewalttätige Schläger im deutschen Fußball erreicht, dass ein Profi fluchtartig den Verein verlassen muss, bei dem er unter Vertrag steht. Vor dem Hintergrund dieser Geschehnisse kann ich Kevin Pezzonis Reaktion verstehen. Wie hätte er jemals wieder unbeschwert im FC-Trikot auflaufen sollen?

Was ich anfangs nicht verstehen konnte, ist das Verhalten des Vereins. Mein erste Reaktion, als ich von der Vertragsauflösung hörte, war: „Super, jetzt haben sie sich von diesen Primitivlingen erpressen lassen!“ Je länger ich aber darüber nachdenke, desto weniger kann ich eine Alternative aufzeigen. Was hätten die Verantwortlichen tun sollen? Pezzoni Bodyguards an die Seite stellen und ihn zwingen, auf den Platz zurückzukehren? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich war eine Vertragsauflösung in dieser Situation der einzig richtige Schritt.

Ein Bus mit Gladbach-Fans wird von der Autobahn gedrängt, dem Leverkusener Spieler Michal Kadlec wird das Nasenbein gebrochen, beim letzten Saisonspiel segeln mehr Rauchbomben in den Strafraum als Flanken und jetzt der Fall Pezzoni: Die Kölner-Fanszene hat ein massives Problem mit gewaltbereiten Randgruppen.
Fakt ist, der 1. FC Köln braucht Hilfe und zwar nicht nur vom DFB, sondern von der Polizei und weiteren Strafverfolgungsbehörden. Vereinsausschlüsse und Stadionverbote sind keine adäquate Reaktion. Diese „Fußball-Anhänger“ sind oftmals weder Vereinsmitglieder, noch selbst in den Stadien anzutreffen. Nur das Strafgesetzbuch bietet jetzt noch passende Sanktionen.

Was bleibt, ist eine Mannschaft, die verunsichert ist und nicht befreit aufspielen kann. Was bleibt, ist eine große Menge vernünftiger Fans, die durch einige wenige Unbelehrbare in Verruf gebracht wird.
Was bleibt, ist ein weiteres übles Ereignis, das den Ruf des FC als nicht kontrollierbarer Chaos-Klub zementiert.

Wann darf ich endlich mal wieder über Fußball schreiben?

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