Warum das Halbfinale doch ein Erfolg ist

Das Medienecho nach dem Halbfinal-Aus der Deutschen hört sich an wie nach einer peinlichen Vorrunde mit null Punkten. Ich kann es nicht mehr hören und lesen. Das Abschneiden der DFB-Elf darf nicht als Enttäuschung gewertet werden. Denn ich bin mir sicher: Ganz Europa ist neidisch auf unsere Nationalmannschaft.

„Wenn’s drauf ankommt, kriegen sie nix auf die Reihe“, „Tritt Löw jetzt zurück?“ oder „Männer haben Milchgesichter geschlagen“ sind nur einige der vielen unsinnigen Kommentare, die ich in den vergangenen beiden Tagen lesen musste. Kam es etwa gegen den späteren Fast-Finalisten Portugal, den amtierenden Vize-Weltmeister Niederlande oder die abwehrstarken Dänen und Griechen nicht drauf an? Hat nicht gerade Joachim Löw dafür gesorgt, dass wir wieder ansehnlichen Fußball bestaunen dürfen? Und ist es nicht Qualitätsbeweis genug, mit der jüngsten Mannschaft des Turniers (also auch der mit dem meisten Entwicklungspotential) zu den besten vier Europas zu gehören?

Die deutsche Nationalmannschaft ist die einzige Auswahl, die es bei den vergangenen vier Turnieren mindestens bis ins Halbfinale geschafft hat. Das würde ich niemals gegen einen fast errumpelten WM-Titel wie 2002 unter Rudi Völler eintauschen. Denn das ist der stärkste Beweis für Konstanz auf hohem Niveau. Außerdem hat sie mit dem Sieg gegen Griechenland einen Weltrekord aufgestellt: 15 Pflichtspiele in Folge gewonnen. Das gab’s noch nie.

Zu einem Titelgewinn gehört auch immer eine Menge Glück. Hätte Mats Hummels nach vier Minuten getroffen und Andrea Pirlo nicht auf der Linie gerettet oder hätte Andrea Barzagli wenig später ins eigene Tor und nicht knapp daneben getroffen, würden wir uns aufs heutige Finale gegen Spanien freuen. Der Finaleinzug wäre nach den starken Auftritten in den ersten vier Partien verdient gewesen. Aber nicht immer siegt beim Fußball die Gerechtigkeit.

Italien war im Halbfinale letztlich die clevere Mannschaft und profitierte von zwei Fehlern der Deutschen. Dass diese ausgerechnet in dieser Partie passieren mussten ist unglücklich, womit wir wieder beim entscheidenden Faktor wären: Zum ganz großen Wurf braucht man eben etwas Fortune.

Nach einem einzigen verlorenen Spiel alles schlecht zu reden ist nicht nachzuvollziehen. Ich würde diese spielstarke und sympathische Mannschaft gegen keine andere der Welt austauschen.

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