Sorry, Uli: Ich war’s!

Die Bayern verlieren gegen Chelsea trotz drückender Überlegenheit das Champions League Finale. Uli Hoeneß scheint gedanklich schon dabei zu sein, den Kader der Finalversager für die kommende Saison einmal auf links zu drehen. Millionen fußballhistorisch belesener Menschen fragen sich, wie um alles in der Welt eine deutsche Mannschaft gegen eine englische im Elferschiessen verlieren kann. Die Antwort ist leider ganz einfach: Sorry, Uli – ich war’s. Es gibt einige ungeschriebene Gesetze an die man sich als Fußballfan zu halten hat. Man darf sich zum Bespiel nicht über die Transfepolitik anderer Vereine lustig machen – ansonsten holt eine Woche später der eigene Klub Josip Simunic. Man darf auch nicht zur Winterpause über eine mögliche Rückkehr ins internationale Geschäft spekulieren – ansonsten steigt man mit der schlechtesten Rückrunde der Budnesligageschichte noch ab. Das wichtigste ungeschriebene Gesetz – das eherne –  aber ist jedem Fan in die Wiege gelegt. Egal, ganz egal, wie sicher du dir auch bist: Erzähle niemals vor dem Spiel was auf gar keinen Fall passieren wird, ansonsten wird es exakt so kommen.

Ich habe mich diesem ehernen Gesetz verweigert und des Fußballgottes Strafe traf die Bayern auf dem Fuße. Runde 50 Stunden vor Anpfiff habe ich Torsten begleitet von einem kleinen Ausflug in die Fußballgeschichte erklärt, warum Bayern dieses Finale gar nicht verlieren kann. Weil Chlsea einfach zu schlecht ist, um in München in Führung zu gehen. Vor allem aber, weil Chelsea ja irgendwie doch schon eine englische Mannschaft ist. Selbst wenn sie sich also in das Elfmeterschießen retten würden, hätten die Bayern den Pokal schon in der Tasche.

Wahrscheinlich hat das so oder so ähnlich jeder Fußballfan in Deutschland geglaubt. Aber ich gehe davon aus, dass jeder andere sich des ehernen Gesetzes erinnerte und ihm bescheiden Tribut zollte. Ich kann mich auch noch an Torstens entsetzten Gesichtsausdruck erinnern, als mir die Worte wie von Sinnen über die Lippen kamen. Er beschuldigte mich deshalb pflichtgemäß schon 50 Stunden vor dem Anpfiff für die Finalniederlage der Bayern veratwortlich zu sein. Da half es auch nicht mehr, dass ich vor der einzigen Chelsea-Ecke lauthals schrie, dass Drogba ihn reinköpfen würde. Oder dass ich ebenso deutlich zum Ausdruck brachte, dass Robben den Elfer auf jeden Fall versemmeln würde. All die kleinen Strategie des Zweckoptimismus zeigten keine Wirkung mehr. Fußballgott war schließlich stinkesauer auf mich. Und das mit Recht.

Lieber Uli,

bevor du nun also den halben Kader der Bayern wegschickst, weil sie ein Elferschießen verloren, gib mir lieber die Schuld für alles. Ich verspreche dir auch, dass ich so schnell nicht wieder den Bayern die Daumen drücken werde. Darauf gebe ich dir mein Ehrenwort als Fußballfan.

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2 Kommentare zu Sorry, Uli: Ich war’s!

  1. Torsten sagt:

    Du vergaßt zu erwähnen, dass du sogar ein klares 4:0 vorausgesagt hast. „Ganz sicher, Torsten, ganz sicher.“

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